I[wan] Luppol

A. M. Deborin: Georg Lukács und seine Kritik des Marxismus[1]

„Die Gesellschaft Der Streitbaren Materialisten“, Moskau 1924, S. 45

 

Die kurze Broschüre A. M. Deborins ist eine Antwort, genauer gesagt, der Ansatz zu einer Antwort eines orthodoxen dialektischen Materialisten auf Georg Lukács. Dieser blieb in seinem Buch „Geschichte und Klassenbewusstsein” zwar dem Buchstaben nach ein Marxist, faktisch aber neigt er zum Hegelianismus, von dem Marx sich 80 Jahre zuvor gelöst hatte. Das Buch Lukács’ muss die Aufmerksamkeit des marxistischen Theoretikers fesseln, insbesondere weil Lukács eine ganze Reihe kommunistischer Nachfolger hat: K. Korsch, Fogarasi, Révai u. a. Diese Richtung kennzeichnet eine Abwendung von den materialistischen Positionen des Marxismus. Lukács verneint die Dialektik in der Natur, indem er ihre Auswirkung auf die Gesellschaft beschränkt sieht. Damit – so Deborin – stellt sich Lukács auf den Boden derer, die so oder so den historischen Materialismus anerkennen, aber den philosophischen Materialismus leugnen.

Nach ausgesprochenem Revisionismus klingen die Worte Lukács‘ darüber, dass er beabsichtigte, den orthodoxen Marxismus sogar gegen Engels zu verteidigen. Dagegen protestiert der Autor der Broschüre zu Recht, und kein Marxist kann umhin, nicht zu protestieren, da die enge Freundschaft zwischen Marx und Engels sogar im „Anti-Dühring” eine Tatsache ist, die jedes Parteimitglied kennt.

Jedes Parteimitglied, dem die theoretischen Positionen des orthodoxen Marxismus teuer sind, sollte sich unbedingt mit dieser Broschüre A. Deborins vertraut machen.

Wir müssen jedoch darauf hinweisen, dass die Arbeit wegen der Schwierigkeit und Abstraktheit des behandelten Gegenstandes dem ungenügend vorbereiteten Leser schwer zugänglich ist.

 

[1] Prawda (Moskau), 27. 5. 1924 – Das russische Original konnten wir nicht beschaffen, als Ersatz stehe hier die deutsche Übersetzung des Aufsatzes von Gisela Braun aus dem Band Furio Cerutti u. a.: Geschichte und Klassenbewusstsein heute (Verlag de Munter, Amsterdam 1971) – der Hrsg.