Die Korrespondenz zwischen Georg Lukács und Günther Nenning
1. Günther Nenning an Georg Lukács am 21. Mai 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum][1]
Herrn Professor Georg Lukács
Belgrad Rakpart 2
Budapest
Wien 21. Mai 1963
Verehrter Herr Professor,
in den uns befreundeten Zeitschriften „Nuovi Argumenti“ sowie „Surway“ las ich Ihren prächtigen Brief zur Entstalinisierung.[2] Dies sowie ein eben stattgehabtes Gespräch mit Ernst Bloch in Tübingen sind der Anlass, Sie zu bitten, uns die deutschsprachigen Rechte an diesem Brief zum Zwecke des Abdrucks im Forum zu überlassen. Ich vermute, dass es eine deutsche Originalfassung gibt und wäre, falls Sie sich positiv entscheiden können, für deren Übersendung dankbar.
Ergebene Wünsche und Grüsse
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
2. Georg Lukács an Günther Nenning am 26. Mai 1963
[Typoskript]
den 26. Mai 1963
An die Redaktion des Forum
Sehr geehrter Herr Nenning
Vielen Dank für Ihren Brief vom 21. Mai. Ich überlasse gerne meinen Artikel aus Nuovi Argumenti Ihrer Zeitschrift zur Veröffentlichung in deutscher Sprache. Momentan bin ich nicht in der Lage, Ihnen das deutsche Manuskript zu schicken. Ich schreibe daher gleichzeitig an Herrn Carocci[3] nach Rom, damit er Ihnen eine Kopie des deutschen Original-Manuskripts schickt.
Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr
Georg Lukács
3. Günther Nenning an Georg Lukács am 18. Juni 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum][4]
Herrn Professor Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien 18. Juni 1963
Hochverehrter Herr Professor,
mit grosser Freude habe ich Ihre Zustimmung zum Abdruck Ihres Briefes an Signore Carozzi [!] empfangen. Das deutsche Manuskript ist bereits in meinen Händen. Sie erhalten einen Bürstenabzug.
Beste Wünsche und sehr ergebene Empfehlungen
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
4. Georg Lukács an Günther Nenning am 29. Juni 1963
[Typoskript]
Forum
Budapest, den 29. 6. 63
Sehr geehrter Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihren Brief vom 18. Juni und für die Korrektur. Da sehr wenig Verbesserungen sind, glaube ich, erhalten Sie sie rascher, wenn ich sie einfach in diesem Brief aufzähle:
Spalte 3, zweiter Absatz, 21. Zeile von oben statt „verlässig“: „verlässlich“
Spalte 8, vierter Absatz, 4. Zeile von oben statt „einer“: „der“
Spalte 10, dritter Absatz, 5-6. Zeile von oben, statt „hervorgehe“: „hervorzugehen“
Spalte 11, zweiter Absatz, 7. Zeile von unten, statt „Methoden“: „Methode“
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir nicht nur ein Belegexemplar, sondern 25 Sonderdrucke des Aufsatzes schicken würden.
Mit besten Grüssen Ihr sehr ergebener
Georg Lukács
5. Günther Nenning an Georg Lukács am 5. Juli 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor Georg Lukács
Belgrad Rappard [!] 2
Budapest
Wien 5. Juli 1963
Lieber und verehrter Herr Professor,
Ihr Brief kam zu spät. Aber die von Ihnen angegebenen Korrekturen haben wir fast alle schon in einer Art Vorahnung durchgeführt. Die gewünschten 25 Hefte sind an Sie unterwegs.
Bitte lassen Sie mich sagen, wie herzlich es mich gefreut hat, dass wir Sie drucken durften. Gibt es wieder einmal etwas? – das Nebenprodukt einer grösseren Arbeit? Oder den Vorabdruck eines Teiles einer solchen? Die ganze Redaktion würde darüber sehr glücklich sein.
Unterdessen wird Ihnen wohl Freund George Steiner[5] schon ein wenig über das Forum erzählt haben, vielleicht auch schon über unser Projekt, im Herbst ganz privat ein Gespräch zwischen Ernst Bloch und einigen jüngeren österreichischen Sozialisten (darunter mich) sowie mit dem einen oder anderen aufgeschlossenen Katholiken zu veranstalten. Glauben Sie, dass es Ihnen möglich wäre zu kommen? Wie gesagt: ganz privat und in einer Form, die für Sie zugleich erholend sein könnte: wir denken an Vorarlberg oder eine andere schöne Gegend. Für uns wäre es ein grosser Gewinn.
Sehr ergebene Empfehlungen
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
6. Georg Lukács an Günther Nenning am 16. Juli 1963
[Typoskript]
Forum
den 16. Juli 63
Lieber Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihren Brief vom 5. Juli. Es ist gut, dass die Frage der Korrekturen sich so erledigt hat. Die Hefte habe ich bis jetzt nicht erhalten.
Was die zukünftige Mitarbeit betrifft, so wird es für mich eine Freude sein, mein Manuskript Ihnen zu überlassen. Wann ich wieder so etwas schreibe, ist vorläufig ungewiss, ich bin aber überzeugt, dass früher oder später wieder die Zeit zu einer solchen Äußerung kommt.
Was Sie über die Privatkonferenz schreiben, ist sehr interessant. Ich bin aber jetzt mit meinen Vorbereitungen zur Ethik so beschäftigt, dass ich mir keine derartigen Ausflüge gestatten kann.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
7. Günther Nenning an Georg Lukács am 17. Juli 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor George [!] Lukacs
Belgrad appart [!] 2
Budapest
Ungarn
Wien 17. Juli 1963
Verehrter Herr Professor,[6]
Freund Steiner hat mir von seinen Gesprächen mit Ihnen berichtet. Wir danken sehr für die lieben Wüsche, die Sie uns über ihn haben zukommen lassen. Er erzählte mir von dem Plan, im Herbst einen Dialog mit Ihnen für die BBS [!] aufzunehmen.[7] Wir besprachen, dass der Text, unbeschadet der Radiosendung, bei uns im Forum erscheinen könnte, falls er zu lang ist, ausserdem auch in Broschürenform in den Europäischen Perspektiven (eine Paperback-Reihe, die dem österreichischen Gewerkschaftsbund nahe steht)[8] – natürlich für den Fall, dass Sie einverstanden sind, was wir vom Herzen hoffen. Wie denken Sie über meinen Plan Ihres Herbstaufenthaltes in Österreich, von dem ich Ihnen in meinem letzten Brief schrieb?
Beste Wünsche und sehr ergebene Grüsse
Ihres
Günther Nenning
für den verreisten Dr. Nenning [über der getypten Unterschrift in Handschrift:] (Nora Öhler) Sekretärin
P. S. Dürfen wir Sie bitten, sehr geehrter Herr Professor, uns bekannt zu geben, wohin wir Ihnen das Honorar (im Gegenwert von DM 200)[9] überweisen dürfen?
8. Georg Lukács an Günther Nenning am 9. August 1963
[In Handschrift:] Forum
den 9. August 63
[Typoskript:] Verehrter Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihren Brief vom 17. Juni und für die Exemplare des Forum‘. Wann erscheint der Rest des Aufsatzes? Und wäre es möglich, vom ganzen Aufsatz Separatabdrücke zu erhalten? Das Honorar bitte ich Sie an: Szerzői Jogvédő Hivatal, Budapest, V. Deák Ferenc-u. 15. zu schicken.
Jetzt nur eine kleine Bemerkung: ich habe natürlich für das geistliche Niveau von Ernst Bloch und Heer[10] die grösste Achtung, ich würde es aber vorziehen, wenn ich in Zukunft nicht in eine Gruppe eingeordnet erscheinen würde.[11] Ich glaube, es ist sachlich gerechtfertigt, a mein Standpunkt ja sehr weit von dem der meisten Autoren ist.
Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich soeben einen grösseren Aufsatz – ungefähr im Umfang dieses von Ihnen veröffentlichten Briefes – über die philosophischen Probleme der chinesisch-sowjetischen Diskussion geschrieben habe.[12] Wenn Sie ihn veröffentlichen wollen, bitte ich, es mir mitzuteilen.
Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener
Georg Lukács
9. Günther Nenning an Georg Lukács am 17. August 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor Georg Lukács
Budapest V
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5
Wien 17. August 1963
Verehrter Herr Professor,
ich danke sehr herzlich für Ihre grundsätzliche Zusage, weiterhin mit uns in Verbindung zu bleiben. Vielleicht ergibt sich hiezu schon Gelegenheit, wenn Herr Georg[e] Steiner mit Ihnen das geplante Gespräch über Koexistenz in der Literatur führt. Wie ich schon schrieb, könnte ich mir vorstellen, daß der für die BBC gesprochene Dialog bei uns in Druck erscheint.
Mit den allerbesten Wünschen für Ihre Arbeit bin ich
Ihr sehr ergebener
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Dr. Günther Nenning
10. Günther Nenning an Georg Lukács am 26. August 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Georg Lukács
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5
Budapest V
Wien 26. August 1963
Verehrter Herr Lukacs,
die gewünschten Separatdrucke werden angefertigt und etwa in der ersten Hälfte des nächsten Monats an Sie abgehen. Die Honoraradresse haben wir notiert.
Artikel, die uns vom Thema her zusammengehörig erscheinen, fassen wir gemäß einer nun schon zehnjährigen Tradition des Forum gerne unter einem Rahmentitel zusammen. Selbstverständlich werden wir uns in Hinkunft dem von Ihnen taktvoll angedeuteten Wunsch mit herzlichem Respekt fügen.
Der von Ihnen angekündigte größere Aufsatz über die philosophischen Probleme der chinesisch-sowjetischen Diskussion interessiert uns ganz außerordentlich. Wir bitten Sie hiemit uns das Manuskript zu übersenden und uns das Recht zur deutschsprachigen Erstveröffentlichung zu überlassen.
Sehr ergebene Grüße
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Dr. Nennig
11. Georg Lukács an Günther Nenning am 31. August 1963
[Typoskript]
Forum
den 31. August 63
Verehrter Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihre Briefe vom 17. und 26. August. Ich habe verfügt, dass Sie das Manuskript über die chinesisch-sowjetische Diskussion erhalten. Was das BBC-Gespräch betrifft, warten wir ab, wie es ausfällt; wenn es gut gelingt, können Sie das Manuskript erhalten.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr ergebener
Georg Lukács
12. Günther Nenning an Georg Lukács am 23. September 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven][13]
Herrn Professor
George [!] Lukacs
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, am 23. September 1963
Verehrter Herr Professor,
heute schreibe ich Ihnen in meiner zweiten Eigenschaft, um unsere Verbindung ein wenig zu grundieren. Neben dem Forum befasse ich mich nämlich mit den Europäischen Perspektiven, einer Reihe, die dem Österreichischen Gewerkschaftsbund nahesteht. Mit gleicher Post sende ich Ihnen einige Bändchen; vielleicht finden Sie Zeit, darin zu blättern.
Übrigens: der angekündigte chinesisch-sowjetische Aufsatz ist noch nicht eingetroffen. Des weiteren: hoffentlich wird etwas aus dem BBC-Gespräch.[14]
Sehr herzliche Wünsche und respektvoll Empfehlungen
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
13. Günther Nenning an Georg Lukács am 24. September 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor
George [!] Lukács
Belgrad Rappart.[!] 2.
Budapest
Wien 24. September 1963
Verehrter Herr Professor,
über Dr. Benseler ist Ihr chinesisch-.sowjetisches Manuskript in unseren Händen und wir werden es, wie besprochen, in Besitze der deutschsprachigen Rechte für die Zeitschriften-Veröffentlichung (die Buchveröffentlichung durch Dr. Ludz stört uns nicht, die englische und italienische Fassung auch nicht) mit Vergnügen veröffentlichen.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
14. Georg Lukács an Günther Nenning am 30. September 1963
[Typoskript]
den 30. 9. 63
Forum
Verehrter Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihre Briefe und für die Zusendung der Sonderdrucke. Es freut mich, dass der zweite Aufsatz auch in Ihren Händen ist. Ich bitte, bei Veröffentlichung ebenfalls um Sonderdrucke.
Was eine eventuelle Veröffentlichung in „Europäischen Perspektiven“ betrifft, so liegt die Schwierigkeit darin, dass ich zwar über die Zeitschriftenveröffentlichung eines jeden Aufsatzes in deutscher Sprache frei verfügen kann, meine Bücherveröffentlichungen aber an Verlag Luchterhand, Neuwied überlassen worden sind. Wenn Sie also hier einen konkreten Vorschlag haben, müssen Sie ihn nicht nur mit mir, sondern auch mit dem Verlag besprechen.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
15. Günther Nenning an Georg Lukács am 8. Oktober 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn
Professor George [!] Lukács
Belgrad Rappart [!] 2.
Budapest
Wien 8. Oktober 1963
Verehrter Herr Professor,
vielen Dank für Ihren Brief. Die gewünschten 30 Sonderdrucke werden Sie selbstverständlich erhalten, desgleiche zuvor einen Bürstenabzug.
Mit dem Luchterhand-Verlag werde ich mich ins Benehmen setzen und mir dann erlauben, Ihnen vom Ergebnis zu berichten.
Herzlichste Wünsche
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
16. Günther Nenning an Georg Lukács am 16. Oktober 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukacs
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5
Budapest
Wien, am 16. Oktober 1963
Verehrter Herr Professor,
ich schrieb Ihnen wegen der eventuellen Veröffentlichung einer Reihe von Ihren Aufsätzen in den Europäischen Perspektiven, einer Paperback-Reihe, die dem Österreichischen Gewerkschaftsbund nahesteht.
Sie antworteten mir, ich möge mich zunächst mit Luchterhand in Verbindung setzen.
Von dort liegt nun die Antwort vor. Dr. Benseler schrieb am 11. Oktober: „Von meiner Seite aus bestehen keine Bedenken gegen Ihren Sammelband, im Gegenteil, ich würde es begrüssen.“
Ich möchte Sie nun herzlich bitten, dass Sie mir eine Reihe von Aufsätzen namhaft machen, die wir in einem solchen Sammelband vereinigen könnten, bzw. mir die Manuskripte schicken. Ich glaube, man könnte auch Ihre beiden im Forum erschienenen bzw. erscheinenden Aufsätze einbeziehen; ich meine den Brien über Stalinismus und den Chinesisch-sowjetischen Konflikt.
Es wäre für uns, als einem Verlag der österreichischen Arbeiterbewegung, eine grosse Freude und von grosser Bedeutung, wenn aus dem Projekt etwas werden könnte!
Sehr herzliche Empfehlungen
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
17. Georg Lukács an Günther Nenning am 19. Oktober 1963
[Typoskript]
den 19. 10. 63
Forum
Verehrter Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihren Brief vom 8. Oktober, sowie für die Sonderdrucke und die Büchersendung.
Ich habe vor allem Ihr Buch[15] durchgelesen, mit vielem Interesse. Das ich mit Ihren Diagnosen öfter einverstanden war, als mit Ihren Prognosen, wird Sie sicher nicht überraschen. Es war für mich jedenfalls eine Freude, ein Buch zu lesen, in dem die Widersprüche des heutigen Österreichs so offen und scharfsinnig behandelt wurde, wie bei Ihnen.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
18. Georg Lukács an Günther Nenning am 27. Oktober 1963
[Typoskript]
[in Handschrift:] Forum
Budapest, den 27. 10. 963
Verehrter Herr Nenning!
Auf Ihren Brief vom 16. Oktober werde ich in den nächsten Tagen ausführlich antworten. Diesmal nur ganz kurz über die mir geschickte Korrektur.
Vor allem bitte ich Sie den Original-Tittel[!] herzustellen. Man pflegt im allgemeinen die Diskussion auf ein machtpolitisches Gebiet zu überschieden.[16] Da ich gerade das philosophische Wesen betone, lenkt der geänderter [!] Tittel [!] die Erwartungen des Lesers in die entgegengesetzte Richtung.
Sonst bitte ich um folgende Änderungen:
1. Fahne 7. Absatz, 3. Zeile von Oben. Statt „Gesetzte“: „Gesetzlichkeit“ [!].
3. Fahne 1. Absatz, 5. Zeile von Oben: Das Wort „einmal“ streichen.
3. Fahne vorletzter Absatz, 4. Zeile von unten: Statt „verständliche“: „verständige“.
4. Fahne 3. Absatz von oben: „Bulygin’sche“ statt „Bulykin’sche“.
7. Fahne 4. Absatz, 4. Zeile von oben. Statt „staatlichen“ „aerarischen“.
8. Fahne 1. Absatz, 3. Zeile von unten. Nach „bestimmt“: ? statt Punkt.
12. Fahne 4. Absatz, 2. Zeile von oben: Statt „entschiedene“: „ausgeprägte“.
12. Fahne 4, Absatz, 4. Zeile von oben. Statt „entschieden“: „entscheidend“.
14. Fahne letzter Absatz, 9. Zeile von unten. Statt „des“: „eines wichtigen“.
Mit herzlichen Grüssen
Georg Lukács
19. Georg Lukács an Günther Nenning am 28. Oktober 1963
[Typoskript]
den 28. Oktober 63
Verehrter Herr Nenning!
Die Korrekturen sind per Flugpost abgegangen. Jetzt einige Worte über das geplante Buch. Doktor Benseler schrieb mir, dass der Verlag nichts gegen Ihren Plan hat, dass er selbst sogar bereit wäre, ein kurzes Vorwort zu schreiben. Wie stellen Sie sich aber das Buch vor? Luchterhand gibt eine Sammlung meiner politisch-ideologischen Aufsätze von 1918 bis heute heraus.[17] Aus dieser Sammlung kämen natürlich die frühen Aufsätze nicht in Frage. Es kommt aber darauf an, wo Sie anfangen wollen. Von den antifaschistischen Aufsätzen haben wir (aus dem Band „Schicksalswende“) die über Preussentum und den Titelaufsatz hereingenommen. Sie könnten aber auch andere auswählen. Aus den Jahren nach 1945 haben wir meinen Genfer Konferenzvortrag und die ungarischen Aufsätze „Parteipoesie“ und „Freie und gelenkte Kunst“ ausgewählt. Beide sind bereits ins Deutsche übersetzt. Auch besitzt der Verlag die Übersetzung meiner Schriften aus dem Jahre 1956 und unmittelbar danach. Das wäre das Material, aus dem Sie Ihren Auswahl machen könnten.
Nach Ihrem Brief habe ich auch eine ganz andere Idee gehabt. Ich glaube, dass von allen meinen Büchern „Die Zerstörung der Vernunft“ am meisten Anstoss erregt hat. Das könnte aber gerade ein Grund sein, seinen aktuellsten Teil in einer leicht zugänglichen relativ billigen Ausgabe herauszubringen. Ich denke dabei an das dritte Kapitel (Nietzsche), an das vierte Kapitel (die Lebensphilosophie) und an die letzten beiden Abschnitte des siebenten Kapitels (Chamberlain und der eigentliche Nationalsozialismus). Das ganze könnte den Titel haben: „Unbewältigte Weltanschauung“. Ich würde dazu eine ein prinzipielles Vorwort schreiben, in welchem ich auf die ideologischen Gefahren hinweisen würde, die mit der Überschätzung und mit dem Ignorieren des auch heute einflussreichen Irrationalismus verbunden sind. Bitte, teilen Sie mir Ihre Ansicht über beide Pläne mit.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr ergebener
Georg Lukács
20. Günther Nenning an Georg Lukács am 28. Oktober 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5
Budapest
Wien, am 28. Oktober 1963
Verehrter Herr Professor,
schon dass Sie, wenn nicht mit meinen Prognosen, so doch mit meinen Diagnosen bisweilen einverstanden waren, hat mich sehr sehr gefreut. Schon überhaupt, dass Se sich überhaupt der Lektüre des Büchleins unterbunden haben!
Bürstenabzüge Ihres Aufsatzes zur Debatte zwischen China und der Sowjetunion müssen Sie unterdessen schon erhalten haben.
Herzlichste Grüsse
Ihres sehr ergebenen
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nennig
P. S. Darf ich leise und zart nachbohren: könnten Sie also, wie ich in meinem Brief vom 16. d. M. vorschlug, uns eine Reihe von Ihren Aufsätzen nennen, bzw. die Manuskripte übersenden, die dann zusammen mit den beiden im Forum erscheinenden Aufsätzen einen Sammelband in den Europäischen Perspektiven ausmachen könnten (150 Seiten oder auch mehr). Der Luhterhand-Verlag wäre damit, wie ich Ihnen schrieb, einverstanden.
Herzlichst D. O.
21. Günther Nenning an Georg Lukács am 29. Oktober 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad RKP. 2. V. ER. [!] 5
Budapest
Wien, am 29. Oktober 1963
Verehrter Herr Professor,
soeben erhalte ich von Dr. Benseler die Mitteilung, dass er gerne bereit wäre, die Einleitung zu den Sammelband einiger Ihrer Aufsätze zu Verfassen, den wir in unserer Korrespondenz ins Auge gefasst haben.
Ich darf Ihnen in Erinnerung rufen, dass Sie Ihre prinzipielle Zustimmung vorbehaltlich der Zustimmung des Luchterhand-Verlages gegeben haben, und dass diese Zustimmung des Verlages schon vorliegt.
Der Band soll jedenfalls Ihre beiden im Forum erschienenen bzw. erscheinenden Aufsätze Brief über Stalinismus und Zur Debatte zwischen China und der Sowjetunion enthalten. Ferner sonstige sich hiezu fügende Aufsätze in einem Ausmass, bis daraus etwa 150-200 Druckseiten werden.
Es wäre nun sehr schön, wenn Sie mir diesbezüglich möglichst bald sagen können, welche Aufsätze Sie uns hiefür vorschlagen könnten, und uns die entsprechenden Manuskripte schicken könnten.
Ich will natürlich nicht ungebührlich drängen, aber ich freue mich sehr über die sich eröffnende Möglichkeit, wenigstens ein kleines Stück Ihres Werkes auch in einem Verlag der österreichischen Arbeiterbewegung zu haben.
Herzlichst Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
22. Georg Lukács an Günther Nenning am 3. November 1963
[Typoskript]
den 3. November 63
Forum
Verehrter Herr Nenning!
Inzwischen haben Sie meinen Brief mit den Alternativvorschlägen erhalten. Im Besitz Ihrer beiden Briefe möchte ich zum Material Ihres Vorschlages folgendes hervorheben. Es gibt einen Aufsatz von mir „Volkstribun oder Bürokrat“, geschrieben in 1940, erscheinen im Aufbau-Band „Marx und Engels als Literaturhistoriker“. Ich halte es für möglich, dass dieser Aufsatz am Anfang des von Ihnen gedachten Bandes an richtiger Stelle wäre. Schon in den fünfziger Jahren hat ihn der deutsche Kritiker, Leo Kofler, in einer kleinen Broschüre als scharf gegen den stalinschen kulturellen Bürokratismus gerichtet analysiert.[18] Im vorigen Brief erwähnte ich die Aufsätze aus dem Band „Schicksalswende“. Ich möchte dabei Ihre Aufmerksamkeit auf den Aufsatz „Aktualität und Flucht“ weisen. Denn dieser Aufsatz enthält meinen heutigen Standpunkt, dass nämlich der Pakt mit Hitler politische richtig war, seine ideologischen Folgen jedoch falsch. Freilich ist der Aufsatz in Moskau, in einer aesopischen Sprache geschrieben, denn er durfte nicht den Protest der deutschen Botschaft hervorrufen. Bitte teilen Sie mir Ihre Meinung und Ihre Vorschläge in diesen Fragen mit.
Jetzt noch eine Bitte: ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie je ein Exemplar der korrigierten Abzüge des China-Aufsatzes an Nuovi Argumenti, Roma, Via degli Orsini 34, und an Lee Baxandall[19] 55. W. 95. Str. New York, 25. N. Y. USA schicken würden.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
23. Günther Nenning an Georg Lukács am 4. November 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum][20]
Herrn Professor
Georg Lukacs
Belgrad Rappart [!] 2.
Budapest
Wien, am 4. November 1963
Verehrter Herr Lukacs,
die Korrekturen werden wir sorgfältig durchführen. Dürfen wir, da wir den Originaltitel nicht in die Zeile bringen, als zweite Zeile daruntersetzen „Theoretisch-philosophische Bemerkungen“?
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
24. Günther Nenning an Georg Lukács am 4. November 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum][21]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2.
Budapest
Wien, am 4. November 1963
Verehrter Herr Professor,
beiliegend sende ich Ihnen die Fahne eines Leserbriefes, den uns Madariaga sandte.[22] Ich halte den Brief für weitgehend unberechtigt, aber das sehen Sie ja aus meiner Antwort, die ich gleichfalls beilege.[23]
Wir haben hier im Forum eine nun schon zehnjährige Tradition „scharfer“ Leserbriefe und „scharfer“ redaktioneller Antworten darauf. Ich hoffe, dass ich diese Tradition hiemit hochgehalten habe.
In sehr herzlicher Ergebenheit
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
25. Georg Lukács an Günther Nenning am 8. November 1963
[Typoskript]
den 8. 11. 63.
Forum
Sehr geehrter Herr Nenning!
Ihre Frage in Bezug des Untertitels für den neuen Aufsatz habe ich bereits in einem Flugpostbrief bejahend beantwortet. Jetzt möchte ich vor allem Ihnen für die Zusendung des Briefes von Madariaga und Ihre Antwort herzlichst bedanken, Der Brief ist insofern sehr interessant, als Herr Madariaga das wirkliche tertium comparationis nicht zur Kenntnis nimmt: nämlich dass er, ebenso wie Enwer Hodscha ein Gegner der Koexistenz und ein Anhänger des kalten Krieges (evtl. sogar des warmen) ist. Ihr Brief hat mir sehr gut gefallen.
Über den eventuellen Inhalt des von Ihnen geplanten Paperback habe ich Ihnen bereits geschrieben. Wenn Sie dabei bei dem ursprünglichen Plan festhalten, wogegen ich selbstredend nach dem Brief Dr. Benselers, nicht den geringsten Einwand habe, so würde ich als Titel vorschlagen: „Für Marx und Lenin – gegen Stalin“. Ich hoffe bald Ihre Ansicht über die verschiedenen Pläne zu hören.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
26. Günther Nenning an Georg Lukács am 15. November 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, am 15. November [1963]
Verehrter Herr Professor,
der Titel „Für Marx und Lenin – gegen Stalin“ ist grossartig. Was den Inhalt betrifft: Ihre beiden Forum-Aufsätze werden ungefähr 40-50 Druckseiten ergeben. Etwa 100 Druckseiten möchte ich mir aus den bei Dr. Benseler liegenden Aufsätzen holen; ich habe mich mit Ihm dieserhalb in Verbindung gesetzt und werde mich bei Ihnen wieder melden sobald ich mit Ihm im reinen bin.
Dies ist das eine und erste. Ausserdem und überdies könnten wir ohne weiteres eine abgekürzte billige Ausgabe der Zerstörung der Vernunft herausbringen, mit dem von Ihnen vorgeschlagenen eigenen Vorwort. Ich werde mich auch diesbezüglich mit Dr. Benseler in Verbindung setzen und Ihnen dann berichten.
Gestatten Sie mir, dass ich Ihnen zu der souveränen Seelenruhe gratuliere, mit der Sie auf Madariaga reagiert haben.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
27. Günther Nenning an Georg Lukács am 20. November 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, am 20. November 1963
Verehrter Herr Professor,
vielen Dank für Ihre Vorschläge, die beiden Aufsätze Volkstribun oder Bürokrat und Aktualität und Flucht in den Sammelband aufzunehmen. Wir werden es gerne tun. Den ersten Aufsatz kann ich aus dem in meinem Besitz befindlichen Aufbau-Band abschreiben lassen. Woher nehme ich den zweiten? Können Sie mir helfen?[24]
Was die Aufsätze aus dem Jahr 1956 betrifft, die Sie in Ihrem vorigen Brief vorgeschlagen haben, habe ich mich bereits an Benseler gewandt und um Überlassung der Manuskripte gebeten.
Was die Kondensation aus der Zerstörung der Vernunft betrifft, möchte ich – falls Sie einverstanden sind – gleichfalls Benseler um ein Vorwort bitten,[25] insbesondre da er doch an einem Band Nietzsche und der Sozialismus schreibt.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
P. S. Korrigierte Abzüge des China-Aufsatzes gehen an Nuovi Argomenti an [! und] an Lee Baxandall.
28. Georg Lukács an Günther Nenning am 20. November 1963
[Typoskript]
den 20. 11. 63
Forum
Verehrter Herr Nenning!
Soeben die Nr. des „Forum“ erhalten Es tut mir leid, dass Sie nicht doch den ursprünglichen Titel hergestellt haben. Das theoretische Gespräch geht ja zwischen den Parteien und nicht nur zwischen den Staaten. Sodass der jetzige Titel irreführend ist.[26]
Es freut mich, dass Sie mit dem Titel zum Paperback einverstanden sind. Wenn Sie den Umfang auf noch 100 Seiten bestimmen, so kann man bei der Auswahl nur mit 1945 anfangen. Ich würde vorschlagen: die beiden ungarischen Aufsätze (Parteipoesie und Freie oder gelenkte Kunst), der Genfer Vortrag (Aristokratische oder demokratische Weltanschauung), sowie die wichtigsten Schriften aus der Zeit 56-57 zu nehmen (Rede über die Philosophie im Petöfi-Klub, Fortschritt und Reaktion /Aufbau-Aufsatz/, Fortsetzung der Autobiographie). Bitte, teilen Sie mir, wenn Sie das Material gesehen haben. mit wie Sie über das Material denken.
Es freut mich auch, dass Sie mit dem anderen Plan ebenfalls einverstanden sind. Sie schreiben nur nicht darüber, ob Sie die verkürzte Ausgabe der „Zerstörung der Vernunft“ in der von mir vorgeschlagenen Fassung meinen.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
29. Georg Lukács an Günther Nenning am 26. November 1963
[Typoskript]
den 26. 11. 63.
Forum
Verehrtet Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihren Brief vom 20. November. Was den Aufsatz „Aktualität und Flucht“ betrifft, so ist er in dem Band „Schicksalswende“ enthalten; wenn Sie ihn nicht in Wien verschaffen können, schicke ich Ihnen ein Exemplar. Bei der Entscheidung über die Veröffentlichung dieses Aufsatzes muss folgendes gesagt werden. Er ist wichtig, denn in diesem Aufsatz habe ich den antifaschistischen ideologischen Kampf auch nach dem Hitler-Pakt fortgesetzt – freilich in einer äsopischen Sprache. Die Frage ist: ist dies für einen heutigen Leser verständlich? Als Herausgeber müssen Sie das entscheiden. Wenn Sie das ganze Material haben, so werden wir konkret über die Zusammenstellung korrespondieren. Dass Dr. Benseler das Vorwort auch zu der verkürzten Ausgabe der „Zerstörung der Vernunft“ schreibt, scheint mir ein glücklicher Gedanke
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
30. Günther Nenning an Georg Lukács am 29. November 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad RKP 2 V
Budapest ER. [!] 5
Wien, am 29. November 1963
Verehrter Herr Professor,
vielen Dank für Ihre Vorschläge. Ich habe mich sogleich mit Herrn Benseler in Verbindung gesetzt, der mir bereits telephonisch die Photokopien der entsprechenden Manuskripte versprochen hat. Ich melde mich dann.
Was den zweiten Plan betrifft, so meine ich tatsächlich eine verkürzte Ausgabe der Zerstörung der Vernunft in der von Ihnen vorgeschlagenen Fassung; ich stehe auch diesbezüglich bereits in Verbindung mit Herrn Benseler. Ich melde mich, sobald ich Genaues von ihm gehört habe.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
31. Günther Nenning an Georg Lukács am 11. Dezember 1963
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad RKP 2. V. ER [!] 5
Budapest
Wien, am 11. Dezember 1963
Lieber Herr Lukács,
ich erwarte nun sozusagen jeden Tag das Material von Dr. Benseler.
Es wäre mir sehr wichtig, wenn Sie mir den in Wien nicht erhältlichen Band Schicksalswende schicken könnten, wegen des darin enthaltenen Aufsatzes Aktualität und Flucht und wegen der Prüfung der von Ihnen mit Recht geäusserten Erwägungen.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
32. Georg Lukács an Günther Nenning am 29. Dezember 1963
[Typoskript]
den 29. 12. 63.
Lieber Herr Nenning!
Dank für Ihren Brief vom 11. Dezember. Schicksalswende ist leider noch immer nicht abgegangen. Ich werde im Amt für Autorenrechte reklamieren. Dr. Benseler schrieb mir, dass er Auswahl und Vorwort des Bandes machen würde. Es handelt sich vor allem darum, welchen Umfang das Buch haben soll. Denn davon hängt es ab, ob man mit 1940 oder mit 1945 anfangen kann. Jedenfalls muss gezeigt werden, dass meine Anschauungen nicht neue sind, sondern die Fortsetzung einer sich lang vorbereiteten Entwicklung.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
33. Günther Nenning an Georg Lukács am 9. Januar 1964
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2.
Budapest
Wien, am 9. Januar 1964
Verehrter Herr Professor,
selbstverständlich geht es darum, dass Ihre Anschauungen nicht neu sind, sondern die Fortsetzung einer sich lange vorbereitenden Entwicklung! Sobald Dr. Benseler so weit ist, melde ich mich gleich.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
P. S. Auf dem Weg über Ernst Fischer hat sich Sartre an uns gewandt, ob er Ihren chinesisch-sowjetischen Artikel im Express nachdrucken könne? Sind Sie damit einverstanden?
Herzlichst. D. O.
34. Georg Lukács an Günther Nenning am 13. Januar 1964
[Typoskript]
den 13. 1. 64
Forum
Verehrter Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihren Brief vom 9. Januar. Ich bitte Sie Sartre ein Exemplar zu schicken und ihn meines Einverständnisses mit der französischen Ausgabe zu versichern.
Ich plane jetzt einen neuen Aufsatz über kulturelle Koexistenz.[27] Wenn er fertig wird, schicke ich ihn Ihnen für Forum wie für die Sammlung. Ich habe über diese Frage auch an Dr. Benseler geschrieben.
Mit herzliche Grüssen Ihr
Georg Lukács
35. Günther Nenning an Georg Lukács am 21. Januar 1964
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum][28]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad RKP. [!] 2. V. EM. 5
Budapest
Wien, 21. Januar 1964
Verehrter Herr Professor,
an Sartre habe ich geschrieben; ein Exemplar schickte ich ihm schon zuvor. Wir freuen uns schon auf den Aufsatz über kulturelle Koexistenz, sowohl fürs Forum wie für die Europäishe Perspektiven.
Herzliche Empfehlungen
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
36. Günther Nenning an Georg Lukács am 12. März 1964
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, am 12. März 1964
Verehrter Herr Professor,
die letzten Nachrichten von Herrn Benseler lauten dahin, dass er nun allmählich mit seiner Arbeit an Ihrem Sammelband, ich meine: Zusammenstellung und Vorwort – im Zusammenwirken mit Ihnen beginnt.
Hätten Sie einen Titelvorschlag für das Band? Wir möchten Ihn nun allmählich vorankündigen.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
37. Günther Nenning an Georg Lukács am 12. März 1964
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor
Georg Lukacs
Belgrad Rappart [!]
Budapest
Wien, 12. März 1964
Verehrter Herr Professor,
vielen Dank für den schönen, sehr wesentlichen Artikel. Wir werden ihn mit Freuden bringen. Fahnen folgen.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
38. Georg Lukács an Günther Nenning am 28. März 1964
[Typoskript]
Forum
Budapest, den 38. 3. 64
Verehrter Herr Nenning!
Gestern habe ich Ihnen die Korrektur express recommandiert abgeschickt. Am Schluss ist eine kleine Einfügung gemacht worden. Ich schicke sie Ihnen beiliegend in Maschinenschrift, denn vielleicht entstehen aus meiner schlechten Handschrift Druckfehler.
Dr. Benseler schrieb mir, er wäre mit der Vorbereitung des Bändchens fast fertig. Ich kann dazu nicht Stellung nehmen, bevor ich seinen Plan nicht genau kenne. Ich habe meinerseits als Titel vorgeschlagen: „Für Marx und Lenin, gegen Stalin“. Sein brieflich mitgeteilter Vorschlag ist „Marxismus nach Stalin‘“. Eine endgültige Stellungnahme kann ich nur nach Einsicht in den genauen Plan haben.
Herzlichst Ihr
Georg Lukács
39. Günther Nenning an Georg Lukács am 2. April 1964
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
George [!] Lukacs
Belgrad Rappart [!] 2 V. EM. 5
Budapest
Wien, am 2. April 1964
Verehrter Herr Professor,
Herr Benseler hat die Übersendung des Manuskriptes Ihres Sammelbandes für die allernächste Zeit in Aussicht gestellt. Als Titel schlägt er vor:
Licht am Tunnelende – über die Hoffnung des Marxismus nach Stalin
Ich halte diesen Titel für ausgezeichnet. Können wir ihn unserem Verlagsprogramm ankündigen?
Hezlichst
Ihr
[in Handschrift:] i. A. Nora Öhler
Günther Nenning
40. Günther Nenning an Georg Lukács am 6. April 1964
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn
Prof. Georg Lukacs
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, am 6. April 1964
Verehrter Herr Professor,
ich bin sehr betrübt, aber Ihre Einführung für den Schluss Ihres Forum-Aufsatzes kam zu spät; wir sind schon ausgedruckt!
Auf Ihre Reaktion betreffend die Auswahl Benselers bin ich schon sehr neugierig; die Auswahl wird, wenn er Wort hält, in den nächsten Tagen fertig sein.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
41. Georg Lukács an Günther Nenning am 11. April 1964
[Typoskript]
Budapest, den 11. 4. 64
Forum
Verehrter Herr Nenning!
Vielen Dank für beide Briefe. Es ist schade, dass die Einfügung nicht mehr kommen kann. Mit dem Titelvorschlag von Dr. Benseler bin ich einverstanden. Sie können also das Buch mit diesem Titel ankündigen.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
42. Georg Lukács an Günther Nenning am 18. April 1964
[Typoskript]
Forum
Budapest, den 18. 4. 64
Verehrter Herr Nenning!
Ich bitte Sie, nachdem Ihre Mai-Nummer erschienen ist, ein Exemplar mit meinem Artikel über Koexistenz an
The Nation, Mr. Carey McWilliams, 333 Sixth Avenue, New York 14, N. Y.
schicken zu lassen.
Im voraus besten Dank.
Ihr
Georg Lukács
43. Günther Nenning an Georg Lukács am 23. April 1964
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, 23. April 1964
Verehrter Herr Professor,
die athenische Zeitschrift Epoches erbittet die Genehmigung zum Abdruck Ihres Artikels Probleme der kulturelle Koexistenz. Falls Sie zustimmen, werden wir Ihrem Anteil am Nachdruckshonorar umgehend an Sie überweisen.
Ergebene Empfehlungen
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
44. Günther Nenning an Georg Lukács am 24. April 1964
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, am 24. April 1964
Lieber Herr Professor,
herzlichen Dank für Ihre Erlaubnis. Wir werden also das Buch unter diesem Titel vorankündigen.
Ergebene Empfehlungen
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
45. Günther Nenning an Georg Lukács am 27. April 1964
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, 27. April 1964
Verehrter Herr Professor,
die Übersendung an Nation wird zuverlässig erfolgen.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
46. Georg Lukács an Günther Nenning am 30. April 1964
[Typoskript]
Forum
den 30. 4. 64
Verehrter Herr Nenning!
Dank für Ihren Brief vom 23. April. Ich bin einverstanden, dass der Aufsatz über Koexistenz in der griechischen Zeitschrift erscheine.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
47. Georg Lukács an Günther Nenning am 7. Juli 1964
[Typoskript]
Forum
Budapest, den 11. 7. 64
Verehrter Herr Doktor Nenning!
Leiber haben Sie von meinem Aufsatz über Koexistenz keine Sonderabdrücke machen lassen. Da ich jetzt den Aufsatz an einige Leute abschicken möchte, bitte ich Sie, mir drei Exemplare der beiden Nummern, in denen er erschienen ist, zuschicken zu lassen.
Im voraus herzlichen Dank, Ihr ergebener
Georg Lukács
48. Günther Nenning an Georg Lukács am 17. Juli 1964
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, 17. Juli 1964
Verehrter Herr Professor,
ich war längere Zeit verhindert, an den Redaktionsgeschäften so regen Anteil zu nehmen wie üblicherweise; ich bitte die Panne zu entschuldigen, sie wird sich nicht mehr wiederholen. Mit gleicher Post erhalten Sie die gewünschten Exemplare.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
49. Georg Lukács an Günther Nenning am 8. August 1964
[Typoskript]
den 8. 8. 64
Verehrter Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihren Brief vom 17. Juli und für die liebenswürdige Zusendung der Forum-Exemplare.
Mit herzlichem Gruss Ihr
Georg Lukács
50. Georg Lukács an Günther Nenning am 22. August 1964
[Typoskript]
Budapest, den 22. 8. 64
Forum
Verehrter Herr Nenning!
Ich bitte Sie je ein Exemplar meiner drei Forum-Aufsätze an die Adresse von Prof. Dr. Werner Hofmann,[29] 34 Göttingen-Nikolausberg, Senderstrasse 27. schicken zu lassen
Im voraus herzlichen Dank. Ihr ergebener
Georg Lukács
51. Günther Nenning an Georg Lukács am 10. Februar 1965
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, 10. Februar 1965
Hochverehrter Herr Professor,
es ist nun schon geraume Zeit her, dass wir etwas von Ihnen drucken konnten. Haben Sie nicht wieder einmal etwas für uns? Insbesondre würde uns herzlich freuen, wenn wir auf diese Weise Ihren kommenden 80. Geburtstag würdig begehen könnten!
Ergebene Wünsche
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
P. S. Ihr Auswahlband beim Europa-Verlag hängt immer noch bei Benseler, aber ich bin gewiss, dass er sein Bestes tut. Wir urgieren immer wieder in gehörigen Zeitabständen.
Herzlichst. D. O.
52. Günther Nenning an Georg Lukács am 10. Februar 1965
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Budapest
Wien, 10. Februar 1965
[in Handschrift:] Lieber und verehrter Herr Professor,
vor fünfzig oder gar hundert Jahren konnte man, tatsächlich oder vermeintlich, mit zehn Worten sagen, was Sozialismus sei. Reichen heute für die Definition des Sozialismus auch nur hundert Worte aus?
Dies herauszufinden scheint uns eines grösser angelegten Versuches wert. Wir haben daher mehr als hundert Personen gebeten – Männer der politischen Theorie und Praxis, Nationalökonomie, Soziologen, Philosophen, Künstler –, uns auf die Frage „Was ist Sozialismus heute?“ zu antworten. Die Definition soll mit möglichst wenigen, höchstens hundert Worten erfolgen.
Wir bitten um Ihre Antwort bis zum 10. März 1965 und danken im voraus.
Freundliche Empfehlungen
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:]Günther Nenning
53. Georg Lukács an Günther Nenning am 15. Februar 1965
[Typoskript] Forum
Budapest, 15. 2. 65.
Verehrter Herr Nenning!
Dank für beide Briefe vom 10. Februar. Es ist leider für mich ganz unmöglich, die Frage über Sozialismus in hundert Worten zu beantworten. Ich würde mich freuen, wenn ich dazu in einem dicken Buch fähig wäre.[30]
Ich bin jetzt leider mit einem neuen Buch (Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins) zu beschäftigt, um die Arbeit wegen eines Aufsatzes zu unterbrechen. Auch ist heute kein derart aktuelles Problem auf der Tagesordnung, das mich zwingen würde, diesen Vorsatz auszugeben [!].
Mit dem kleinen Buch wird es, so wie ich die Sachen übersehe, noch eine Weile dauern.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
54. Günther Nenning an Georg Lukács am 3. März 1965
[Telegramm][31]
PROF GEORG LUKACS
BELGRAD RAPPART 2
BUDAPEST
ERBITTEN ANTWORT AUF UNSEREN BRIEF VOM 24. FEBRUAR.[32] GRUSS UND DANK. FORUM NENNING
55. Günther Nenning an Georg Lukács am 4. März 1965
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart 2
Budapest
Wien, 4. März 1965
Hochverehrter Herr Professor,
vielen Dank für Ihr telegraphisches Einverständnis, den Satz über Sozialismus in Ihrem letzten Brief verwenden zu dürfen.
Hartnäckig wie ich nun einmal bin komme ich aber auch auf meine zweite Anfrage zurück, welche lautet: Könnten wir nicht aus der im Entstehen begriffenen Antologie [!] des gesellschaftlichen Seins das eine oder andre bereits Fertige, womöglich sogar das eine und andre, zum Vorabdruck bekommen?
Herzlichste Wünsche
Ihres ergebenen
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
56. Günther Nenning an Georg Lukács am 15. April 1965
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn
Prof. Georg Lukács
Belgrad Rappart 2
Budapest
Wien, 15. April 1965
Lieber und verehrter Herr Lukács,
ich danke sehr herzlich für den überaus freundlichen Empfang und das gute Gespräch.
Es war so gut, dass ich etwas vergessen habe. Ich wollte Sie fragen, ob Sie grundsätzlich bereit wären, mit mir für das österreichische Fernsehen ein Gespräch über Literatur zu führen. Ich glaube, Ihre einleitenden Bemerkungen zu mir über den allmählichen Auszug aus dem Hotel zum Abgrund und das Auftauchen einer „neuen Zuversicht“ (jener spanische Roman,[33] Solschenitzyn, usw.) gäbe ein gutes Thema. Das Gespräch sollte etwa eine Stunde dauern und könnte in Budapest in Ihrer Wohnung aufgenommen werden, so dass für Sie der geringste Zeitverlust entstünde.
Bitte schreiben Sie mir gelegentlich, was Sie davon halten.
Herzlichste Empfehlungen
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
57. Georg Lukács an Günther Nenning am 26. April 1965
[Typoskript]
Forum
Budapest, den 26. 4. 65
Lieber Herr Nenning!
Es war mir eine grosse Freude, Sie endlich persönlich kennen zu lernen. Wie zu erwarten war, war unser erstes Gespräch ein sehr gutes, so empfand ich es gleich, und es freut mich, dass es in Ihnen dieselben Gefühle ausgelöst hat.
Was das Fernsehgespräch betrifft, so rate ich, es für einige Zeit zu verschieben. Der Geburtstagsrummel hat mich ziemlich in Anspruch genommen (da zeigt es sich, dass ich doch 80 Jahre alt bin) und ich möchte jetzt mich durch ruhige Arbeit etwas erholen und in meinen normalen Zustand zurückkehren. Ausserdem finde ich, dass gerade um diese Zeit etwas zu viel Publizität um mich war. Auch hier ist ein gewisses Ausruhen nützlich.
Ich danke Ihnen für die Forum-Nummern. Über Reade [?] sind wir wohl derselben Ansicht.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
58. Günther Nenning an Georg Lukács am 15. August 1965
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, am 15. August 1965
Verehrter Herr Professor,
da Sie mein erstes Büchlein so freundlich aufgenommen haben, kann der Versuchung, das zweite zu senden, nicht widerstehen.
Ihr
aufrichtig ergebener
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
59. Georg Lukács an Günther Nenning am 27. August 1965
[Typoskript]
den 27. 8. 65.
Lieber Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihren Brief und die Zusendung Ihres Buches. Ich fahre in den nächsten Tagen in die Berge; wenn ich dort nicht zu faul bin, so werde ich es gleich lesen.
Jetzt noch eine Bitte: mein Freund, der bekannte russische Aesthetiker M. Lifschitz möchte russische Bücher für westliche tauschen. Kennen Sie jemanden, der dafür Interesse hätte? Ich lege jedenfalls seine Adresse dem Brief bei.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
60. Günther Nenning an Georg Lukács am 8. September 1965
[Typoskript auf dem Briefpapier des Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart 2
Budapest
Wien, 8. September 1965
Lieber und verehrter Herr Lukács,
an Lifschitz, dessen Marx und Engels über Kunst und Literatur in meiner Bibliothek befindlich ist, habe ich sogleich geschrieben. Ich glaube, ich weiss jemanden, der an einen solchen Austausch interessiert wäre, ein sozialistischer Redakteur in Linz, der russisch spricht und liest. Zur Sicherheit fragte ich Lifschitz aber um spezielle Wünsche und bin sicher, dass sich diese, mit oder ohne Austausch, erfüllen lassen werden.
Austausch ist übrigens das Stichwort für einen Plan, den ich seit längerem mit mir herumtrage, eigentlich seit den Schlußsätzen Ihres Aufsatzes über kulturelle Koexistenz im Forum. Ich denke an eine in Wien herausgegebene Zeitschrift für Kultur und Politik einer gemischt west-östliche[n] Redaktion und Herausgeberschaft, desgleichen gemischt west-östlichen Themen-, Autoren- und Publikumskreis, das alles nicht staatlich-offiziell, sondern individuell-freundschaftlich, bei ansonst möglicherweise divergenten Ansichten. Den Verlag hätte ich dafür fast schon gewonnen. Grundsätzlich und auch wegen des unterstrichenen Wörtchens wäre es mir sehr erwünscht, Ihre Meinung hiezu hören, falls Sie dies für angebracht halten.
Herzliche Grüsse,
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
P. S. Benseler schwört soeben Stein und Bein, brieflich, dass der Lukács-Sammelband, den er für unseren Verlag übernommen hat, nun wirklich bald zustande kommt.
61. Günther Nenning an Georg Lukács am 17. September 1965
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
Wien, am 17. September 1965
Verehrter Herr Professor,
in Sachen Lifschitz darf ich Ihnen berichten, dass nunmehr ausser mir auch Hermann Mörth, dies der Name des erwähnten russophilen Linzer Redakteurs, ihm geschrieben hat. Damit Sie, falls Sie Lust haben, sehen können, dass sich der Mann sehr bemühen wird, lege seinen Brief bei.
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
[der beigelegte Mörth-Brief in Handschrift:][34]
„Verehrter Genosse Lifschitz!
Daß ich Sie zu belästigen wage, hat folgenden Grund: Ihr und unser teurer Freund, Georg Lukacs, schrieb meinem Freund (anderer Ausdruck im Russischen, der ein näheres Freundschaftsverhältnis bezeichnet), Dr. Günther Nenning, Chefredakteur der Zeitschrift Forum in Wien, in der auch ich einige Artikel veröffentlichte, daß Sie an einem Austausch russischer und deutscher zeitgenössischer Literatur interessiert sind. Mein Freund Nenning – wissend, daß ich mich mit russischer Literatur befasse – riet mir, Ihnen meine Dienste anzubieten, Ich erklärte gerne mein Einverständnis und hoffe auf das Ihre.
Durch meinen Beruf als Redakteur der sozialistischen Zeitung Tagblatt in Linz, habe ich einige Verbindungen zu österreichischen Buch-Verlägen und großen Bibliotheken, die auch Ihnen dienen könnten. Wenn Sie mit meinem Vorschlag einverstanden sind, dann teilen Sie mir, bitte, Ihre besonderen Wünsche mit, und ich werde mich bemühen, sie zu befriedigen.
Was mich anbelangt, so bin ich ein leidenschaftlicher Liebhaber der russischen schöngeistigen Literatur – besonders in Prosa. Am meisten interessiert mich die Entwicklung der zwei Hauptströmungen der zeitgenössischen russischen Literatur – der sogenannten progressiven und konservativen – wie Sie zum Beispiel K. Paustowskij auf der einen und W. Kotschetow auf der anderen Seite repräsentiert werden. Vorzugsweise bin ich an Ihren Werken über diesen Gegenstand interessiert.
Entschuldigen Sie, bitte, schließlich meine grammatischen und Rechtschreibfehler in der russischen Sprache. Das ist mein erster russischer Brief.
Ihre zusagende Antwort erwartend versichere ich Sie meiner aufrichtigen Verehrung und sende Ihnen meine
freundlichen Grüße“
62. Georg Lukács an Günther Nenning am 20. September 1965
[Typoskript]
den 20. 9. 65
Lieber Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihren Brief vom 8. September und auch dafür, dass Sie in der Angelegenheit von Lifschitz so rührig waren.
Was den Zeitschriftplan betrifft, so glaube ich, könnte man etwas daraus machen. Die grosse Schwierigkeit ist nur die Zusammenstellung der Redaktion. Ich glaube nämlich nicht, dass Schriftsteller aus den sozialistischen Ländern, auch solche, die gerne aktiv mitarbeiten würden, Redaktionsposten übernehmen können. Es ist nämlich etwas anderes, eigene Artikel zu schreiben und dafür die Verantwortung zu übernehmen, oder diese für fremde Artikel zu tragen – auch wenn man diese für gehaltvoll und nützlich hält. Man müsste also aus wirklich linken Gelehrten und Schriftstellern des Westens die Redaktion zusammenstellen (höchstens kämen evtl. die Jugoslawen in Betracht); ich denke dabei hauptsächlich an Italiener, aber auch Leute aus Deutschland oder Schweiz, dem Typus nach etwa Abendroth, Kofler, Farner etc. könnten in Betracht kommen. Denn die Zeitschrift hätte nur Sinn, wenn sie prinzipiell und entschieden linksgerichtet ist. Sogenannte „liberale“ Zeitschriften sind massenhaft da.
Während meines Urlaubs habe ich Ihr Buch gelesen. Es wäre gut darüber ausführlich zu sprechen, brieflich kommen Einwände immer allzu schroff zur Geltung. Aber auch bei diesem Vorbehalt muss ich Ihnen sagen, dass Ihr Buch mich nicht überzeugt hat. Ich führe nur zwei komplexe an. Die erste ist die Frage der Religion. Sie ignorieren vollständig die Krise, in der sich das Christentum seit Jahrzehnten befindet (von Barth über Teilhard de Chardin bis zum englischen Bischof Robinson)[35] und tun so als ob es heute selbstverständlich wäre, was Christentum ist und was es verkündet. Das ist als Wahlmanipulation durchaus möglich; ich denke nur an Herrn Wehner[36] in der Bundesrepublik, ist aber theoretisch ganz unzulässig. Daraus folgt, dass Ihre Ausführungen über den Menschen als gut oder böse (oder gut und böse) den Marxismus überhaupt nicht treffen. Feuerbach mag den Menschen für gut gehalten haben, wenn Sie aber die Kritik von Engels über seine Ethik lesen, so werden Sie finden, dass Ihre Annahme, der Marxismus ginge von der Güte des Menschen aus, absolut nicht zutrifft. Und damit wird – im Rahmen Ihrer Argumentation – die Ergänzungsbedürftigkeit des Marxismus durch die Religion hinfällig. Der zweite Komplex ist die Sozialdemokratie. Ich spreche gar nicht von ihrer Entfernung vom Marxismus (Godesberger Programm) sondern hauptsächlich davon, dass sie die Sache der Demokratie in einer keineswegs konsequenten und vorbildlichen Weise vertritt. Bereits im Erfurter Programm hat Engels diese Tendenzen des Opportunismus kritisiert und ein echter Demokrat wie Franz Mehring führte jahrzehntelang einen einsamen Kampf um die Forderungen des echten Demokratismus. Ich will jetzt nicht ausführlich über die Weimarer Zeit (Bündnis von Noske mit den reaktionärsten Militaristen) und von der zweiten Republik in Österreich sprechen. Heute aber ist die Sozialdemokratie ein organischer Bestandteil der gegenwärtigen manipulierten Demokratie. Sie führt, besonders in Deutschland einen Kampf ausschliesslich gegen die linksdemokratischen Elemente in ihren Reihen. Ich glaube nicht betonen zu müssen, dass ich den Undemokratismus der Stalinschen Periode verurteile und alle ihre Folgen klar sehe. Auf der anderen Seite ist jedoch der Sozialdemokratismus, wenn er ein Bestandteil von der wirklichen demokratischen Umwandlung sein soll, zumindest ebenso reformbedürftig, wie das Stalinsche System Auch darüber gleitet Ihr Buch hinweg. Für so wichtig ich also die allgemeine Fragestellung halte, so wenig kann ich mit Ihrer Methode und Ihren Resultaten einverstanden sein.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
63. Günther Nenning an Georg Lukács am 28. September 1965
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rkp. 2
Budapest
Wien, am 28. September 1965
Lieber Herr Professor,
Ihre Bemerkungen über das Zeitschriftenprojekt waren mir sehr wertvoll; schon die regelmässige Mitarbeit, ohne redaktionelle Bindung, von profilierten „östlichen“ (ein dummes Wort) Autoren wäre ein gewaltiger Fortschritt.
Ihre Kritik an meinem Buch deckt sich zu keinem geringen Teil mit meiner Selbstkritik. Aber manches sieht man eben erst hinterdrein. Sollte eine gründlichere „Manöverkritik“ einmal mündlich möglich sein, so würde sich hierüber sehr freuen
Ihr herzlich ergebener
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
64. Günther Nenning an Georg Lukács am 14. April 1966
[Typoskript auf dem Briefpapier der Europäischen Perspektiven]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad RKP 2. V. EM. 5
Budapest
Wien, am 14. April 1966
Lieber Herr Lukács,
Benseler brachte mir die Nachricht, dass Sie von dem Sammelband lieber Abstand nehmen möchten. Natürlich tut uns dies weh, aber wir verstehen und würdigen Ihren Gründe.
Dürfen wir, sozusagen zum Ausgleich, die folgende Bitte aussprechen: die mit uns befreundete Zeitschrift Forum würde gerne in Ihrem 150. Heft, das als die Jubiläumsheft besonders gut geraten soll, einen Aufsatz von Ihnen bringen. Es würde genügen, wenn es sich um einen auf deutsch noch nicht vorliegenden oder seit längerem nicht gedruckten Text handeln könnte, oder auch um einen Vorabdruck aus einem Derzeit im Arbeit befindlichen Werk.
Es würde uns sehr freuen, wenn Sie dieser Bitte entsprechen könnten.
Beste Wünsche und herzliche Empfehlungen
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
65. Günther Nenning an Georg Lukács am 14. April 1966
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5
Budapest
Wien, 14. April 1966
Lieber Herr Lukács,
mit gleicher Post wiederhole ich, diesmal in Namen des Forum, die Bitte, für dessen Jubiläumsheft etwas beizusteuern.
Am liebsten wäre uns ein Originalbeitrag; Themen sind ja reichlich vorhanden, „Partei, Staat und Literatur“ etwa.
Doch beeile ich mich, beizufügen, dass uns auch ein auf deutsch noch nicht gedruckter oder seit längerem nicht mehr gedruckter Text hochwillkommen wäre; desgleichen ein Vorabdruck aus einer Ihrer kommenden Arbeiten (mit Luchterhand würde ich mich, Ihre Genehmigung vorausgesetzt, dann sicherlich einigen).
Beste Wünsche und herzliche Empfehlungen,
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
66. Georg Lukács an Günther Nenning am 23. April 1966
[Typoskript]
den 23. 4. 1966
Lieber Herr Nenning!
Vielen Dank für beide Briefe. Ich glaube, es ist richtig heute den früher geplanten Band nicht mehr herauszubringen. Vor zwei Jahren hätte er eine Wirkung haben können, jetzt ist diese Frage schon nicht mehr so aktuell.
Was meinen Beitrag zum Jubiläumsheft betrifft, es ist das leider absolut unmöglich. Ich bin so sehr mit der Niederschrift der Ontologie beschäftigt, dass ich mich unmöglich auf andere Arbeiten konzentrieren kann. Und dieses Buch selbst ist von solchem Character, dass es schwer möglich ist, einen so kleinen Abschnitt herauszulösen, dass er in „Forum“ publizierbar wäre.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr
Georg Lukács
67. Günther Nenning an Georg Lukács am 31. Mai 1966
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5
Budapest V
Wien, 31. Mai 1966
Lieber Herr Lukács,
dass der geplante Auswahlband nicht mehr aktuell ist, sehe ich ein; wir lassen die Idee also fallen. Nicht ganz sehe ich ein, warum das Forum nicht einen Abschnitt aus der Ontologie publizieren könnte; Sie schreiben, „das es schwer möglich ist, einen so kleinen Abschnitt herauszulösen, dass er in Forum publizierbar wäre“. Also dann drucken wir eben einen beliebig grossen Abschnitt; es gibt bei uns keine Raumbeschränkung, wenn es um einen Lukács geht!
Ich bitte in diesem Sinn um Verzeihung für meine Hartnäckigkeit und um nochmalige Prüfung, ob sich ein solcher Abschnitt nicht doch finden liesse,[37] nochmals: ohne jede Raumbeschränkung.
Sehr herzliche Grüsse und Wünsche
Ihres respektvoll ergebenen
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
68. Georg Lukács an Günther Nenning am 8. Juni 1966
[Typoskript]
den 8. 6. 1966
Lieber Herr Nenning!
Dank für Ihren Brief vom 31. Mai. Es ist mir gelungen aus dem historischen Teil der Ontologie einen kleinen Exkurs über Wittgenstein herauszulösen.[38] Ich schicke Ihnen gleichzeitig durch Vermittlung des hiesigen Bureaus für Autorenrecht.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr
Georg Lukács
69. Günther Nenning an Georg Lukács am 21. Juni 1966
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5.
Budapest
Wien, 21. Juni 1966
Lieber Herr Lukács,
über Ihre Ankündigung des Wittgenstein-Exkurses freue ich mich ganz närrisch. Ich melde mich sobald ich das Manuskript in Händen habe und bin bis dahin
Ihr dankbarer und herzlich grüssender
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
70. Günther Nenning an Georg Lukács am 17. Oktober 1966
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart 2
Budapest
Wien, 17. Oktober 1966
Hochverehrter Herr Lukács,
am 8. Juni haben Sie mir geschrieben, es sei Ihnen gelungen, aus dem historischen Teil der Ontologie einen kleinen Exkurs über Wittgenstein herauszulösen; Sie schrieben weiter, dass Sie das Manuskript durch Vermittlung des dortigen Büros für Autorenrechte an mich abgeschickt hätten.
Ich habe aber bisher das Manuskript nicht erhalten. Da ich mit grosser Freude und Spannung darauf warte, bitte ich Sie herzlich um eine kleine Nachforschung, was aus dem Manuskript geworden ist.
Ich bitte um Entschuldigung, dass ich Sie auf diese Weise in Ihrer grossen Arbeit störe, aber ich würde eben sehr gerne gerade in unserem kommenden Doppelheft zum Jahresende unseren Lesern diesen Beitrag präsentieren.
Sehr respektvolle Empfehlungen und beste Wünsche
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
71. Georg Lukács an Günther Nenning am 29. Oktober 1966
[Typoskript]
Budapest, den 29. 10. 66
Geehrter Herr Nenning!
Aus Ihrem Brief vom 17. Oktober entnehme ich mit Überraschung, dass Sie meinen Aufsatz über Wittgenstein nicht erhalten haben. Ich werde sogleich bei dem Büro der Autorenrechte reklamieren.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
72. Günther Nenning an Georg Lukács am 24. August 1967
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum/der Paulus-Gesellschaft]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappard [!] 2
Budapest
Ungarn
24. August 1967
Sehr geehrter Herr Professor,
Das Neue Forum will sich noch intensiver als schon bisher mit jener Thematik befassen, welche auch die Thematik der Paulus-Gesellschaft[39] ist, zwischen deren österreichischer Sektion und der Herausgeberschaft des Neuen Forum eine weitgehende Personalunion besteht.
Zum Zweck einer solchen Intensivierung soll ein internationales Komitee für den Dialog geschaffen werden, welches der Redaktion anregend und auch Kritik übend zur Seite stehen soll. Es ist geplant, dieses Komitee in bestimmten Zeitabständen nach Wien zu bitten, um diese Aufgabe zu erfüllen.
Wir wissen, dass Sie in der Thematik des Neuen Forum wie an der Paulus Gesellschaft Interesse haben und wir laden Sie daher ein, diesem „internationalen Komitee für den Dialog“ beizutreten.
Falls Sie dies so wünschen, ist dieser Eintritt mit keinerlei Arbeitsleistung verbunden. Anderenfalls steht Ihnen aber auch, wann immer Sie wollen, ein beliebig weites Betätigungsfeld offen, in dem Sie Beiträge oder Autoren vorschlagen, selbst Beiträge verfassen oder in Form von sonstigen Wünschen oder Einspruchen auf die Redaktion Einfluss nehmen.
Über eine positive Antwort würde sich sehr herzlich freuen
Ihr ergeben grüssender
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
(Herausgeber des Neuen Forum, Vorsitzender der Paulus-Gesellschaft, österr. Sektion)
P. S. Mit gleicher Post erhalten Sie zur Illustration dieses Briefes das jüngste Heft des Neuen Forum!
[Am Rande in Nennings Handschrift:] Bisher gehören dem Komitee Bloch, Künzli, Metz, Moltmann, Lombardo-Radice, aber wir wollen nichts verlautbaren ehe Ihre Antwort da ist.
Herzl. G. N.
73. Günther Nenning an Georg Lukács am 5. September 1967
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappard [!] 2
Budapest
Ungarn
5. September 1967
Verehrter Herr Professor,
Professor Fetscher schlägt vor, dass wir Teile des Gespräches, das er mit Ihnen für das Hessische Fernsehen führte, im Neuen Forum nachdrucken.[40] Wir bitten herzlich um Ihre Genehmigung.
Beste Wünsche und Grüsse
Ihres ergebenen
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
74. Günther Nenning an Georg Lukács am 6. September 1967
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum/der Paulus-Gesellschaft]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappard [!] 2
Budapest
Ungarn
6. IX. 1967
Sehr geehrter Herr Professor,
Sie haben mir auf meine Einladung ins „internationale Redaktionskomitee“ des Neuen Forum noch nicht geantwortet. Ich gestatte mir aber, möglichen Interesses halber, Ihnen beiliegend einen ersten Rundbrief an die Mitgleider sowie den Entwurf von „Richtlinien“ für die Arbeit des Komitees zu überreichen.
Über eine gelegentliche Nachricht würde sich sehr freuen
Ihr ergeben grüssender
[in Handschrift:] i. V. Nora Öhler
(Günther Nenning)
2 Beilagen: Rundbrief, Entwurf der „Richtlinien“
[Beilage 1, Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum/der Paulus-Gesellschaft]
Wien 6. IX. 1967
1. Rundbrief
Liebes Mitglied des Internationalen Redaktionskomitees,
Lieber Freund,
obgleich noch eine Reihe von Antworten aussteht, ist es wohl zweckmässig, die bisherigen Zusagen bekanntzugeben:
Univ.-Prof. Wolfgang Abendroth, Marburg
Univ.-Prof. Ernst Bloch, Tübingen
Univ.-Prof. Jules Girardi, Rom
Univ.-Doz. Arnold Künzli, Basel
Univ.-Prof. Lucio Lombardo-Radice, Rom
Univ.-Prof. Milan Machovec, Prag
Univ.-Prof. Salvatore Di Marco, Palermo
Univ.-Prof. Johannes B. Metz, Münster
Univ.-Prof. Jürgen Moltmann, Tübingen
Univ.-Prof. Hans Schaefer, Heidelberg
Wegen Terminschwierigkeiten kann die erste Zusammenkunft in Wien nicht schon, wie geplant, Ende September stattfinden, sondern voraussichtlich am 8. November. Es wird herzlichst gebeten, diesen Termin jetzt schon ad notam zu nehmen. Am Abend des selben Tages ist auch eine Diskussion, deren genaues Thema noch nicht feststeht, in meiner Sendung „Forum-Gespräche“ im Österreichische Fernsehen, geplant.
In der Beilage Sende ich den Entwurf von „Richtlinien“ für die künftige Arbeit des Internationalen Redaktionskomitees. Sie gehen auf eine Anregung von Milan Machovec zurück und wurden von mir zum Zweck der Diskussion bei unserer ersten Zusammenkunft formuliert. Briefliche Äusserungen hiezu – Anregungen, Änderungswünsche, Kritik – sind natürlich auch schon vor dieser mündlichen Diskussion willkommen.
Unterdessen sehr herzliche Grüße und Wünsche
Ihres
Günther Nenning
1 Beilage: Entwurf der „Richlinien“
P. S. Eben traf die Zustimmung von Univ.-Prof. Marcel Reding (FU Berlin) ein.
[Beilage 2]
Richtlinien
1. Das Internationale Komitee (IK) soll dem Neuen Forum helfen, das geistige Gespräch zwischen dem sogenannten „Westen“ und „Osten“ Europas zu fördern, insbesondere hinsichtlich der Themen Christentum und Atheismus, Wissenschaft und Ideologie, christlicher Soziallehre, Soziallehre, Sozialismus, Marxismus, liberale Demokratie (die Reihenfolge bietet keine Wertung, auch keine exakte Themenabgrenzung).
2. Der Beitritt zum IK bedeutet ein prinzipielles Ja zu solchem Gespräch. Hingegen wird keinem Mitglied des IK abgefordert, das es zu einzelnen Beiträgen im Neuem Forum seine Zustimmung oder auch Ablehnung erklären muss.
3. Jedes IK-Mitglied kann jedoch, falls es dies wünscht von einer oder allen unter den folgenden Einflussmöglichkeiten gebrauch machen.
3. 1. Jedes Mitglied des IK hat im Neuen Forum Meinungsfreiheit. Seine Beiträge erscheinen unverändert, ungekürzt und ohne Verzug.
3. 2. Jedes IK-Mitglied kann und soll Beiträge und Autoren vorschlagen. Akzeptiert die Redaktion einen Vorschlag nicht, muss sie die übrigen IK-Mitglieder hören und sich deren Meinung fügen.
3. 3. Jede sonstige Anregung und insbesondere Kritik eines jeden IK-Mitgliedes wird die Redaktion sorgfältig prüfen und mit diesem und den übrigen IK-Mitgliedern gründlich diskutieren.
4. Zu obigen Zwecken soll das IK mindest einmal jährig zusammentreffen.
5. Das IK soll so zusammengesetzt sein, dass – ohne pedantischen „Proporz der Weltanschauungen“ – eine möglichst angemessene Beteiligung unterschiedlicher Partner angestrebt wird. Das Neue Forum verpflichtet sich, diese Zusammensetzung nicht zu Gunsten oder zu Lasten irgendwelcher Partner zu verändern.
Wien, September 1967
75. Georg Lukács an Günther Nenning am 26. September 1967
[Typoskript]
den 26. 9. 67
Verehrter Herr Nenning!
Was den Dialog mit Professor Fetscher betrifft, so habe ich bis jetzt den Text noch nicht gelesen. Und früher kann ich nicht darüber entscheiden, ob dieses Gespräch zur Drucklegeung geeignet ist. Ich habe an Professor Fetscher wegen des Manuskripts geschrieben.
Was das „Internationale Redaktionskomitee“ betrifft, so glaube ich auf die Teilnahme verzichten müssen. Zur Teilnahme habe ich keine Zeit und das bloss Formell-nominal Dabeisein widerspricht meinen langjährigen Gewohnheiten.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
76. Günther Nenning an Georg Lukács am 7. Oktober 1967
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart [!] 2
Budapest
7. Oktober 1967
Lieber Herr Lukács,
ich sehe Ihre Gründe ein, was das Internationale Redaktionskomitee betrifft. Dennoch mag Sie interessieren, wer unterdessen Mitglied dieses Komitees ist:
Wolfgang Abendroth, Marburg
Ernst Bloch, Tübingen
Georges Casalis, Paris
Pere M. D. Chenu, Paris
Erich Fromm, Mexico City
Roger Garaudy, Paris
Giulio Girardi, Rom
Joseph Hromadka, Prag
Arnold Künzli, Basel
Luicio [!] Lombardo-Radice, Rom
Milan Machovec, Prag
Salvatore Di Marco, Palermo
Johannes B. Metz, Münster
Jürgen Moltmann, Tübingen
Marcel Reding, Berlin
Hans Schaefer, Heidelberg
Korrespondierendes Mitglied: Yves Congar, Strassbourg.
Dies auch deshalb, weil ich nun an Ihrer statt Agnes Heller aufgefordert habe. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie ihr raten könnten, die Einladung in das Komitee anzunehmen, und in dieser Eigenschaft am 8. November zu unserer ersten Zusammenkunft nach Wien zu kommen.
Sehr herzliche Grüsse und Wünsche
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
P. S. Fetscher habe ich gebeten, Ihnen recht Rasch die Niederschrift seines Gespräches mit Ihnen zu senden, so das Sie über dessen Abdruck entscheiden können.
77. Günther Nenning an Georg Lukács am 18. Oktober 1967
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum][41]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rappart 2
Budapest
18. Oktober 1967
Lieber und verehrter Herr Lukács,
Beilegend finden Sie die Fahnen einer Sendung des Hessischen Rundfunks. Es ist noch nicht Ihr Gespräch, wohl aber findet sich darin eingeblendet ein kleiner Teil dieses Gespräches (das Gesamtgespräch wird hinterdrein gesendet; hier erhalten Sie den Text von Fetscher). Ich bitte herzlich um Genehmigung dieses Zitates. Ich werde einleitend bemerken, dass es sich um Rede und nicht um eine eigene literarische Arbeit handelt.
Sehr herzliche Wünsche und Grüße,
Ihres ergebenen
Günther Nenning
Für den nach Diktat verreisten Dr. Nenning:
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] (Nora Öhler Sekretärin)
78. Georg Lukács an Günther Nenning am 18. Oktober 1967
[Typoskript]
den 18. 10. 67.
Lieber Herr Nenning!
Vielen Dank für das gesandte Material über die Konferenz. Dass ich nicht kommen werde, ist Ihnen aus unserem früheren Briefwechsel klar. Was die Teilnahme von Ágnes Heller, so konnte ich mit ihr nicht sprechen, da sie nicht in Budapest ist. Jedenfalls ist sie so stark in Anspruch genommen, dass ich die Entscheidung ganz ihren eigenen Erwägungen überlassen muss.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr
Georg Lukács
79. Günther Nenning an Georg Lukács am 7. November 1967
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn
Georg Lukács
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5.
Budapest V.
Ungarn
7. November 1967
Hochverehrter Herr Lukács,
vielen Dank für Ihre Zustimmung betreffend das Gespräch mit Professor Fetscher. Es wird im ersten Heft erscheinen, in welchem auch das Internationale Komitee in grosser Stärke zum Ausdruck kommt. Es sind jetzt 23 Leute und ich glaube zum grössten Teil recht gute. Ich lege Ihnen, weil es Sie vielleicht interessiert, eine Liste bei. Die vorläufig vorhandene „ungarische Lücke“ schmerzt mich sehr. Ich bin im Frühjahr in Budapest, und werde mich bei Ihnen melden.
(Vielleicht kann ich Sie doch nicht nur von der Nützlichkeit der Sache überzeugen, sondern auch davon, dass sie für Sie mit keiner anderen Arbeit verbunden zu sein braucht als mit dem Beitritt welcher für die Sache von sehr grosser Bedeutung wäre. Aber ich geb‘ schon Ruh‘ und Hör‘ zu weinen auf…)
Herzlichst
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
1 Beilage
[Beilage Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Liste der bisher dem Internationalen Redaktionskomitee des Neuen Forum beigetretenen Mitglieder
(Stand 30. Oktober 1967)
Wolfgang Abendroth, Marburg
Ernst Bloch, Tübingen
Jean-Yves Calvez, Paris
Georges Casalis, Paris
M. D. Chenu OP, Paris
Iring Fetscher, Frankfurt
Erich Fromm, Mexico City
Roger Garaudy, Paris
Giulio Girardi SDB, Rom
Joseph Hromadka, Prag
Robert Kalivoda, Prag
Arnold Künzli, Basel
Lucio Lombardo-Radice, Rom
Milan Machovec, Prag
Salvatore Di Marco, Palermo
Johannes B. Metz, Münster
Jürgen Moltmann, Tübingen
Paul Oesterreicher, London
Milan Prucha, Prag
Marcel Reding, Berlin
Hans Schaefer, Heidelberg
Charles C. West, Princeton
Korrespondierendes Mitglied: Yves Congar OP, Strassbourg.
80. Georg Lukács an Günther Nenning am 22. November 1967
[Typoskript]
den 22. 11. 67
Verehrter Herr Nenning!
Dank für Ihren Brief vom 7. November. In der Frage der Veröffentlichung des Gesprächs mit Professor Fetscher scheint noch ein Missverständnis vorhanden sein. Ich habe ihm geschrieben, dass ich prinzipiell keinen Einwand gegen die Veröffentlichung habe, ich will aber vorher den genauen Text kennen lernen und nur nach seiner Durchsicht eine konkrete Entscheidung treffen. Bis jetzt habe ich aber den Text des Gesprächs noch nicht erhalten, und früher kann ich weder Ja noch Nein sagen.
Was das Komitee betrifft, muss ich dabei bleiben, dass ich einerseits keine Zeit zur Mitarbeit habe, anderseits prinzipiell nicht Mitgliedschaften einnehme, wo ich über die Führung mich nicht orientieren kann. Vielleicht gelingt es ihnen bei ihrem Budapester Aufenthalt die „ungarische Lücke“ auszufüllen.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr
Georg Lukács
81. Günther Nenning an Georg Lukács am 5. Januar 1968
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum][42]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrád RKP. 2. V. EM. 5.
Budapest V.
Ungarn
5. Januar 1968
Verehrter Herr Lukács,
durch eine Serie von Reisen und sonstigen Abhaltungen antworte ich erst heute auf Ihren Brief von 22. November 1967. Ich habe jetzt die Abschrift des Tonbandes Ihres Gespräches mit Fetscher in Händen, aber in einer durch die handschriftlichen Korrekturen der Hörfehler sehr schwer lesbaren Form. Ich werde eine saubere Abschrift herstellen lassen, gleich auch mit einigen stilistischen Polituren, wie Sie bei einem ursprünglich gesprochenen Text notwendig sind und werde Ihnen dann den genauen Text schicken. Im März bin ich in Budapest und werde mich bei Ihnen melden. Unterdessen sehr herzliche Grüsse und Wünsche,
auch zum Jahreswechsel
von Ihrem
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
82. Günther Nenning an Georg Lukács am 15. Februar 1968
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rakpart 2.
Budapest
Ungarn
15. Februar 1968
Verehrter und lieber Georg Lukács,
ich bin voraussichtlich von 26. bis 28. März in Budapest und werde mir gestatten, mich bei Ihnen zu melden. Unterdessen die Mitteilung, dass die [durchstrichen: englische] amerikanische Zeitschrift commonweal, ein katholisches Blatt fortschrittlicher Richtung, gebeten hat, den bei uns erschienenen und von Ihnen genehmigten Text Ernst Bloch und Georg Lukács im Gespräch mit Iring Fetscher, Johannes R. Metz und Jürgen Moltmann übersetzen und veröffentlichen zu dürfen. Falls Sie, wie ich fast vermute, einverstanden sind, bedarf es keiner weiteren Aktion von Ihrer Seite.
Ergeben Wünsche und Empfehlungen,
Ihres alten
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
83. Günther Nenning an Georg Lukács am 10. April 1968
[Telegramm][43]
HERRN GEORG LUKÁCS BELGRAD RAKPPART 2, BUDAPEST
ERBITTE ERLAUBNIS NACHDRUCK TEXT UEBER PRAG IN RINASCITA[44] HERZLICHST NENNING
84. Georg Lukács an Günther Nenning am 11. April 1968
[Typoskript]
den 11. 4. 68
Lieber Herr Nenning!
Ich habe selbstverständlich nichts dagegen, wenn Sie, bei Angabe der Quelle, meinen Unitá-Artikel[45] in deutscher Sprache nachdrucken.
Mit herzlichen Grüssen
Ihr
Georg Lukács
85. Günther Nenning an Georg Lukács am 13. Mai 1968
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad RKP 2.
Budapest
Ungarn
Wien, 13. Mai 1968
Hochverehrter und lieber Georg Lukács,
hiemit kündige ich für die nächsten Tage die Sendung von Fahnen an, welch Ihr Gespräch mit Fetscher enthalten, mit der herzlichen Bitte um Prüfung, Korrektur, Genehmigung.
Herzlichst
Ihr ergebener
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
86. Georg Lukács an Günther Nenning am 23. Mai 1968
[Typoskript]
Budapest, den 23. 5. 1968
Lieber Herr Nenning!
Beilegend schicke ich Ihnen die Korrektur zurück. Ich hoffe, dass das Amt für Autorenrechte, durch das es geht, die Sache rasch erledigt.
In dem kurzen Artikel in der vorigen Nummer steht etwas recht unangenehmes. Ich weiss nicht, ob es bereits im Text war, oder ein Übersetzungsfehler ist.[46] Jedenfalls hat Marx nie gesagt, dass die Ideologie dazu da ist, um die sozialen Konflikte beizulegen, er hat das Wort ausfechten benutzt, und ich habe das Zitat sicher richtig gebraucht. Beilegen kann von Wehner stammen, aber sicher nicht von Marx und sicher nicht von mir. Ich bitte darüber eine kurze Korrektur zu veröffentlichen.
Mit herzlichen Grüssen Ihr
Georg Lukács
87. Günther Nenning an Georg Lukács am 31. Mai 1968
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad RKP 2.
Budapest
Ungarn
Wien, 31. Mai 1968
Lieber und verehrter Georg Lukács,
Ihre Korrekturen sind eingetroffen und werden genau berücksichtigt. Am Ende des Gesprächs kommt dann die kleine Notiz mit der Richtigstellung des bedauerlichen Transmissinsfehlers [!].
Sehr herzliche Grüsse und Wünsche
Ihres dankbaren
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
88. Günther Nenning an Georg Lukács am 28. Juli 1968
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rpt. 2.
Budapest
EXPRESS
Wien, 28. Juli 1968
Lieber und verehrter Georg Lukács,
kürzlich besuchte ich in Berlin Wolf Biermann. Er hat einen neuen Gedichtband, der im Herbst erscheinen soll. Er befürchtet, dass ihm nach erscheinen des Bandes die Verhaftung droht. Wir besprachen, wie wir rund um ihn sozusagen präventiv einen „antifaschistischen Schutzwall“ bauen könnten, indem prominente Linke dieses sein Buch zu einem möglichst frühen Zeitpunkt besprechen und dabei massiv für ihn Stellung nehmen (wobei Sie natürlich gleichzeitig die Gedichte schlecht finden können).
Ich sende Ihnen beiliegend die Voraus-Fahnen des neuen Gedichtbandes, und bitte Sie im obigen Sinn für uns zu schreiben. Es genügen 50-100 Schreibmaschinzeilen, es können aber auch mehr sein. Termin wäre der 5. September (für das Oktober-Heft).
Sehr herzliche Wünsche und freundschaftliche Grüsse
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
P. S. Eben schreibt mir Biermanns Verleger Wagenbach, dass es mit Biermann „sehr ernst“ stehe und dass Schützenhilfe der erwähnten Art besonders wichtig sei. Herzlichst. D. O.
1 Beilage (erwähnt)
89. Georg Lukács an Günther Nenning [nach dem 28. Juli 1968?]
[Briefentwurf in Handschrift, undatiert]
Verehrter Herr Nenning
es ist Ihnen sicherlich bekannt, dass ich, infolge meiner [gestrichen: faktisch] von offizieller Tätigkeit beanspruchten Lebensführung erst im Greisenalter dazu kam, meine eigentliche theoretischen Grundanschauungen in wissenschaftlicher Form niederzuschreiben. Diese Lage hatte zur Folge, dass ich darauf verzichten musste, – wie früher – Tagesfragen der Literatur zu studieren und zu diesen Stellung zu nehmen. Nur [gestrichen: Fragen] Probleme von solcher Gewaltigkeit wie die Produktion Sols[c]henizyns und ihr Schicksal zwangen mich, von dieser [gestrichen: Regel notwendigen Regel] unerlässlichen Regel [gestrichen: des notwendigen] meiner Lebensführung [gestrichen: abzukehren] Abstand zu nehmen. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich meine [gestrichen: sehr] seit Jahrzehnten verkündete Grundanschauung: literarische Kontroversen sollen ideologisch und nicht organisatorisch ausgetragen werden, irgendwie [gestrichen: ver] geändert hätte.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
G. L.
[unterstrichen:] Elment [Verschickt]
90. Günther Nenning an Georg Lukács am 2. Mai 1969
[Telegramm][47]
GEORG LUKÁCS BELGRAD RKT 2, BUDAPEST
ERBITTEN IN EINVERNEHMEN REIF SUEDDEUTSCHER RUNDFUNK ABDRUCKGENEHMIGUNG TEXT IHRES GESPRAECHES MIT REIF FAHNEN FOLGEN EXPRESS HERZLICHST NENNING[48]
91. Günther Nenning an Georg Lukács am 8. September 1969
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum][49]
Herrn Professor
Georg Lukács
Belgrad Rkp. 2
Budapest
Ungarn
8. September 1969
Lieber Herr Lukács,
ich möchte gerne in einer der nächsten Nummern Ihr Interview Der Marxismus in der Koexistenz aus Kortars bringen.[50] Einen italienischen Text habe ich aus der Rinascita. Gibt es vielleicht einen deutschen Text? Sonst könnte ich notfalls auch den Italienischen übersetzen, das ist aber natürlich nicht so gut wie ein Original oder eine Übersetzung daraus.
Sehr herzliche Wünsche für Ihre Arbeit und beste Wünsche
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
92. Günther Nenning an Georg Lukács am 9. Februar 1970
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn
Georg Lukács
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5
Budapest V./Ungarn
Wien, 9. Februar 1970
Lieber Herr Lukács,
dürfen wir Ihr Interview in der Borba nachdrucken?[51]
Sehr herzliche Wünsche und Grüsse,
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
93. Georg Lukács an Günther Nenning am 21. Februar 1970
[Typoskript]
Budapest, den 21. 2. 70
Verehrter Herr Nenning!
Wenn mein Interview aus der „Borba“ noch nicht anderwärts in deutscher Sprache erschienen ist, habe ich nichts dagegen, dass Sie ihn in Ihrer Zeitschrift abdrucken.
Mit freundlichen Grüssen
Ihr
Georg Lukács
94. Günther Nenning an Georg Lukács am 22. Februar 1971
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn
Georg Lukács
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5
Budapest V/Ungarn
Wien, 22. Februar 1971
Lieber und verehrter Georg Lukács,
endlich ist es soweit: im nächsten Heft kommt Ihr Aufruf[52] mit allen unterdessen eingetroffenen Namen. Durch den Übergang zur eigenen Druckproduktion (die Druckmaschine gehört der Redaktionsgesellschaft, der auch die Zeitschrift gehört) sind wir etwas in Verzug geraten.
Zugleich eine Bitte: in der Edition Hundsblume, Wien, erscheint Ihr Vortrag Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins, gehalten an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften 1969.[53] Wir bitten Sie Erlaubnis, diesen Text auch im NF Drucken zu dürfen.[54] Die Genossen von der Edition Hundsblume wären damit einverstanden, Benseler/Luchterhand gleichfalls.
Sehr herzliche Grüsse und Wünsche
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
95. Georg Lukács an Günther Nenning am 1. März 1971
[Typoskript]
1. 3. 1971
Verehrter Herr Nenning!
Vielen Dank für Ihren Brief von 22. 2. Selbstverständlich können Sie den gewünschten Aufsatz in Ihrer Zeitschrift abdrucken lassen.
Mit herzlichen Grüssen, Ihr ergebener
Georg Lukács
96. Günther Nenning an Georg Lukács am 31. März 1971
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum]
Herrn
Georg Lukács
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5
Budapest V/Ungarn
Wien, 31. März 1971
Lieber und verehrter Georg Lukács,
der von Ihnen gewünschte Aufruf betreffend Geldspenden für das Angela-Davis-Verteidigungskomitee wird im nächsten Heft erscheinen (April-Mai, Erscheinungsdatum 5.5).[55] Ich finde es großartig, daß Sie sich mit 2000 Dollar beteiligen.
Ihr erster Aufruf ist schon in unserem Februar/März-Heft erschienen, samt den von Ihnen übermittelten und von uns gesammelten Unterschriften. Wir haben daraufhin viele weitere Unterschriften bekommen. Vielleicht werden wir auf diese neuerlich veröffentlichen.
Im vorerwähnten Heft wird übrigens der zweite Teil Ihres Ontologie-Textes erscheinen. Wir danken nochmals für Ihre Bewilligung. Der erste Teil hatte ein sehr gutes Echo bei unseren Lesern.
Mit den besten Wünschen und respektvollen Freundschaftsgrüßen,
bin ich
Ihr
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
97. Georg Lukács an Günther Nenning am 27. April 1971
[Typoskript]
27. 4. 1971
Lieber und verehrter Günther Nenning!
Ich habe Ihren Brief und das vorletzte Heft des Neuen Forum mit dem Text des ersten Aufrufs und mi dem ersten Teil meines Ontologie-Textes erhalten. Was die Liste der Unterzeichner betrifft, soviel ich weiss, ist sie vollständig. In dieser Phase aber, so meine ich, wäre es viel wichtiger Gels als weitere Unterschriften zu sammeln; darum freue ich mich sehr, dass der zweite Aufruf betreffend Geldspenden im nächsten Heft des Neuen Forum erscheinen wird. Ich möchte mich bei Ihnen diesmal für Ihre liebenswürdige Hilfe in dieser Angelegenheit bedanken.
Was die Veröffentlichung des Ontologie-Textes betrifft, das gute Echo freut mich sehr. In dem Titel ist jedoch ein kleines Missverständnis enthalten: ich habe über dieses Thema nie einen Vortrag auf der Ungarischen Akademie der Wissenschaften gehalten; dieser Text entspricht ungefähr dem Vortrag, den ich in 1968 in Wien gehalten hätte.
Mit herzlichen Grüsse[n], Ihr
Georg Lukács
98. Günther Nenning an Georg Lukács am 5. Mai 1971
[Typoskript auf dem Briefpapier des Neuen Forum][56]
Herrn
Georg Lukacs
Belgrad RKP. 2. V. EM. 5
Budapest V./Ungarn
Wien, 5. Mai 1971
Lieber Herr Lukacs,
Sie haben recht, daß es richtiger ist, Geld zu sammeln als weitere Unterschriften. Ich hoffe. daß unser Aufruf den entsprechenden Erfolg hat.[57]
Den Irrtum betreffend Ihren Ontologie-Text (Vortrag nicht an der ungarischen Akademie, sondern wie er in Wien 1968 hätte gehalten werden sollen) werden wir korrigieren).
Sehr herzliche Grüße und Wünsche
Ihres
[über der getypten Unterschrift in Handschrift:] Günther Nenning
[1] Forum. Österreichische Monatsblätter für Kulturelle Freiheit, Wien, redigiert von Friedrich Torberg und Günther Nenning.
[2] György Lukács: Lettera al Signor Carocci, Nuovi Argomenti, Rom, 57/58. (Juli–Oktober 1962), 114–134.
[3] Alberto Carocci, Herausgeber der Zeitschrift Nuovi Argumenti, der Adressat von Lukács’ Brief über den Stalinismus.
[4] Oben am Rande in Lukács’ Handschrift: Korrektur / 25 Sonderdruck.
[5] George Steiner (1929–2020) französisch-amerikanischer Literat, seine Korrespondenz mit Lukács ist hier zu lesen.
[6] Am Rande in Handschrift von Lukács: Stelle – Allein / Unser Aufsatz
[7] Über den Plan und sein Scheitern siehe die Lukács-Steiner-Korrespondenz.
[8] Am Rande in Handschrift von Lukács: nein.
[9] Darunter in Handschrift von Lukács: Szerző Jogvédő Hivatal V. Deák Ferenc 15.
[10] Friedrich Heer (1916–1983) österreichischer Historiker, Kulturkritiker.
[11] Der erste Teil von Lukács’ Stalinismus-Brief erschien in der Gesellschaft von Ernst Blochs „Revolutionäre Verantwortung” und Friedrich Heers „Was ist Antikommunismus? unter dem Titel Epilog zum 17. Juni 1963: Forum X/115–116. (Juli–August 1963).
[12] Georg Lukács: Zur Debatte zwischen China und der Sowietunion. Theoretisch-philosophische Bemerkungen, Forum, Wien, Nr. 119 (November 1963), 519–523.; Nr. 120 (Dezember 1963) 582–585.
[13] Europäische Perspektiven (Wien). Redaktion: Prof. Fritz Klenner, Dr. Hans Oprecht, Erich Pogais, Dr. Karl Ziak.
[14] Am Rande mit Nennings Handschrift: ist eingetroffen / Danke schön!
[15] Es geht vermutlich um Günther Nennings Anschluss an die Zukunft. Österreichs unbewältigte Gegenwart und Vergangenheit, Europa-Verlag, Wien 1963.
[16] Tippfehler: überschieben.
[17] Georg Lukács: Schriften zur Ideologie und Politik, hrsg. v. Peter Ludz, Luchterhand, Neuwied und Berlin 1967.
[18] Jules Dévérité [Leo Kofler]: Der Fall Lukacs. Georg Lukacs und der Stalinismus, Verlag für politische Publizistik, Köln 1952.
[19] Lee Raymond Baxandall (1935–2008) amerikanischer Schriftsteller, Herausgeber, politischer Aktivist.
[20] Über dem Briefkopf in Lukács’ Handschrift: Zustimmend beantwortet.
[21] Am Rande in Lukács’ Handschrift ein x; unten: Titel.
[22] Salvador de Madariaga (1886–1978) spanischer Diplomat, Schriftsteller und Historiker. – „Madariaga antwortet Lukács. – Die von Herrn Lukács verfasste geistreiche Abhandlung [»Privatbrief über den Stalinismus« (X/115–116.) und »Stalin ist noch nicht tot« (X/117.)] wird wohl niemanden zu täuschen vermögen, auch wenn die Belehrung durch eine Possenreißerei erfolgt, wie dies z. B. der Versuch ist, mich mit Enver Hodsha zu paaren. Man kann mich kaum als einen »Kämpfer für die Integrität des Stalin’schen Systems« bezeichnen, denn im Gegensatz zu Herrn Georg Lukács glaube ich nicht, dass Stalin überhaupt ein System besaß. Der Stalinismus setzt sich aus zwei Elementen zusammen, das eine stammte von Stalin selbst, nämlich seine wahnsinnige Machtgier und die Angst vor seinen Rivalen; das andere stammte von Lenin: »Entweder gibst du mir recht, oder ich schieße!« Dieser Grundsatz ist von Chruschtchew nicht etwa abgeschworen (man denke hier an Beria), sondern bloß aufs Eis gelegt worden. – Darf ich abschließend eine Frage stellen? Was tat Herr Chruschtchew und was schrieb Herr Lukács, als Stalin noch am Leben war? – Salvador de Madariaga (London).“ – Forum, X/119. (November 1963), 535.
[23] „Ich bin immer dafür, Leserbriefe zu drucken. Ich bin fast immer dafür, Leserbriefe kommentarlos zu drucken. Aber alles hat seine Grenzen. Diese sind erreicht, wenn man mit einem Brief allzu oder gar nicht einverstanden ist. Ist man beides zugleich, sind diese Grenzen unrettbar überschritten. Der Drang zum Kommentar wird unwiderstehlich. – Ich bin allzu einverstanden mit Don Salvadors Dementi, dass er kein Stalinist sei. Er ist wirklich keiner. Aber ich bin gar nicht einverstanden mit Don Salvadors Interpretation, dass Lukács derlei behauptet hätte. Er tut Lukács unrecht; was er gern in Kauf nehmen mag. Aber er tut auch sich unrecht: was für ihn und alle seine Freunde und uns schwerer wiegen sollte. Dass er subjektiv ein Feind des Stalinismus ist, steht so außer Frage, dass Lukács es unerwähnt lassen durfte. Dass Madiaraga objektiv dem Stalinismus hilft, wenn er zugleich gegen den Antistalinismus Chruschtschews ist, kann dennoch wahr sein. Lukács meint das es wahr sein muss. Und hier erst könnte Lukács irren, und auf diesem Felde erst hätte Don Salvador den Handschuh aufheben sollen: nicht auf dem unfruchtbaren Felde der abstrakt-subjektiven Polemik, sondern auf dem, vielleicht fruchtbringenderem, der Erwähnung konkret-objektiver historischer Möglichkeiten. – Statt tapfer in die simple und starre dialektische Falle zu treten, dass der subjektive Gegner einer historischen Bewegung objektiv deren Helfer sei, wenn er zugleich ein Gegner von deren Gegner ist, hätte Don Salvador die Lukács’sche Dialektik weitertreiben, sie zum Weitertanzen zwingen sollen, indem er ihr ihre eigen Melodie vorspielt. Ein Gegner der Gegner des Stalinismus kann zum Helfer des Stalinismus werden, aber er muss es nicht werden. Er kann vielmehr mit solcher Gegnerschaft sagen wollen: Gegen wirkliche Antistalinismus bin ich nicht, aber seid ihr das? Seid ihr weit genug gegangen? – Nun, innerhalb der großen geistigen Auseinandersetzungen im kommunistischen Denk- und Herrschaftsbereich ist dies die Standardfrage der echten gegenüber den scheinbaren Antistalinisten. Und die echten Antistalinisten werden, indem sie Gegner der scheinbaren Antistalinisten sind, nicht zu Helfershelfern des Stalinismus – im Gegenteil. – Ich bin mir bewusst, dass diesen mein Weitertreiben der Dialektik eine Zumutung sowohl gegenüber Lukács wie gegenüber Madariaga ist. – Gegenüber Lukács, weil dieser durch seiner Ministerschaft unter Nagy, und was ihm daraufhin widerfuhr, wahrhaft bewiesen hat, wie weit er, ein echter Antistalinist, zu gehen bereit ist, sobald der Weg gangbar ist, sei’s unter Lebensgefahr. – Was Madariagas gleichartige Frage an Chruschtschew betrifft und überhaupt dergleichen Ahnenforschung: mich interessiert die gegenwärtige Wirksamkeit einer Mannes und was sie für die historischen Entwicklung abgibt, viel, viel mehr, als seine Vergangenheit, verbracht in realen und ideologischen Verhältnissen, deren Druck der bloße Zuschauer nicht ermessen kann. – Gerade darin besteht die Zumutung an Madiaraga. Ihm ist kein Antistalinismus weitgehend genug, der noch Kommunismus bleibt, ja nun erst recht sich als Kommunismus fühlt, desgleichen kein von vornherein antistalinistischer, antikommunistischer demokratischer Sozialismus, also überhaupt nichts, was nicht bei voller Identität mit dem Madiaraga’schen Liberalismus landet. Ihm interessiert daher weder die innerkommunistische Entwicklung noch das außerkommunistische Weitertreiben von deren Dialektik. – Uns aber schon, auch um den Preis der obigen doppelten Zumutung. Don Salvador blickt auf ein reiches Lebenswerk bedeutender Beharrungskraft. Und über die ragende Position, die Lukács in der linken europäischen Geistesgeschichte einnimmt, braucht man wahrhaft nicht zu rechten. Und die Zeit läuft bekanntlich in Sauseschritt. Und wir laufen bekanntlich mit. Und wollen wir nicht bloße Mitläufer sein, so müssen wir Antreiber sein. Bleiben wir aber stehen, so um den Preis, und wären wir noch so bedeutende Stehenbleiber, dass die Zeit uns davonläuft. – Günther Nenning.“ – Ebd.
[24] Am Rande in Lukács’ Handschrift, quasi als Ergänzung: Schicksalswende.
[25] Am Rande in Lukács’ Handschrift: ja.
[26] Der Originaltitel des Manuskripts (und der Titel in den späteren Veröffentlichungen) hieß Theoretische Bemerkungen zur Debatte zwischen den kommunistischen Parteien Chinas und der Sowjetunion.
[27] Georg Lukács: Probleme der kulturellen Koexistenz, Forum, Wien, Nr. 124. (April 1964), 181–184., Nr. 125. (Mai 1964), 241–244.
[28] Am oberen Rande Lukács’ Stempel: megválaszolatlan (unbeantwortet).
[29] Ist der Sozialismus zu retten? Briefwechsel zwischen Georg Lukács und Werner Hofmann, Hrsg.von György Iván Mezei, Georg Lukács Archiv–T-Twins Verlag, Budapest 1991.
[30] Die Antworten auf die Frage, die Nenning in seinem Brief vom 10. Februar 1965 gestellt hat, hat die Zeitschrift in ihrer Nr. 138–139. (Juni–Juli 1965) unter dem Titel „100 Worte Sozialismus” veröffentlicht; als Antwort Lukács’ standen diese zwei Sätze im Blatt, S. 297.
[31] Darunter in Lukács’ Handschrift: Telegraphisch beantwortet.
[32] Im Nachlass liegt kein vom 24. Februar 1965. datierter Nenning-Brief vor.
[33] Jorge Semprún: Die große Reise, Rowohlt, Hamburg 1964.
[34] Der Brief an Mikhail Lifschitz in der für Nenning angefertigten deutschen Fassung.
[35] John Arthur Thomas Robinson (1919–1983) englischer Theologe; sein Buch Gott ist anders (Kaiser, München 1964) befand sich in Lukács’s Bibliothek.
[36] Herbert Wehner (1906–1990) deutscher sozialdemokratischer Politiker.
[37] Nenning zeichnete hierzu ein Sternchen, die dazu gehörige Fußnote in seiner Handschrift lautet: Ich bin mit Benseler diesbezüglich schon im Gespräch!
[38] Im publizierten Text des ersten Teiles der Ontologie lassen sich einige Seiten unter dem Titel Exkurs über Wittgenstein lesen; dass Lukács darüber schreibt, dass ihm gelungen sei, „aus dem historischen Teil der Ontologie einen kleinen Exkurs über Wittgenstein herauszulösen”, deutet darauf, dass in der derzeitigen Phase der Arbeit Lukács diese paar Seiten nicht als selbständigen Abschnitt betrachtet hat. Wie es auch aus den nachfolgenden Briefen hervorgeht, der Plan der Veröffentlichung des von Lukács vorgeschlagenen Textes im Neues Forum scheiterte auf irgendeine Weise.
[39] Die Internationale Paulus-Gesellschaft war eine von dem Theologen Erich Kellner gegründete Vereinigung für den Dialog zwischen Theologie und den Wissenschaften, in den 60er Jahren, im Geiste der Enzyklika das Papstes XXIII. Johannes zwischen Theologen und Marxisten. Ab 1967 erschien der Blatt Nennings mit dem Untertitel Zeitschrift für den Dialog.
[40] Ernst Bloch und Georg Lukács im Gespräch mit Iring Fetscher, Johannes B. Metz und Jürgen Moltmann, Neues Forum (Wien), 167/168. (November–Dezember 1967), 837–843.
[41] Am Rande in Handschrift von Lukács: beantwortet.
[42] Oben am Rande Lukács’ Stempel: megválaszolatlan (Unbeantwortet).
[43] An der Rückseite in Lukács’ Handschrift die Addresse des Neues Forum: Wien / A-1070 Museumstr. 5
[44] Georg Lukács: Alle Dogmatiker sind Defaitisten, Neues Forum (Wien), No. 173, Mai 1968, 281–283.; die erste Erscheinung das Interviews: György Lukács: Všichni sektáři jsou defétisté, já věřím v marxismus. Kulturní Noviny (Praha), No. 11. (15. Mai 1968), 1., 3.; die italienische Publikation: György Lukács: Tutti i dogmatici sono disfattisti, Rinascita, (Roma) No. 13. (29 marzo 1968), 9–10.
[45] Schreibfehler: Rinascita-Artikel.
[46] Der beanstandete Satz lautete im Neues Forum-Text: „Marx sagt, daß die Ideologie dazu da ist, um die sozialen Konflikte beizulegen…”
[47] Am oberen Rande mit Lukács’ Stemple: megválaszolatlan (unbeantwortet).
[48] Georg Lukács: Deutschland, dein Marx. Gespräch mit Adelbert Reif, Neues Forum, No. 185 (Mai 1969), 357–360.
[49] Unten am Rande in Lukács’ Handschrift: zustimmend beantwortet.
[50] Vermutlich geht es um das von Ervin Gyertyán und István Simon mit Lukács gemachte Interview, Kortárs, 1968. 5., 745–754.; auf Italienisch: Rinascita, 31. Mai, bzw. in: Il marxismo nella coesistenza, Editori Riuniti, Roma 1968.
[51] У марксизму за свако питанье постоjи само jедна истина и ньу треба обедоданити, Борбa (Belgrad), 31. Dezember–2. Jänner 1969, 6–7. – Nach Hegel nichts Neues. Ein Gespräch mit Georg Klos, Kalman Petkovic, Janoš Brener [Brenner János], Neues Forum, Wien, 195/I. (März 1970), 201–202.; Erst Demokratie, dann Wirtschaftsreform. Ibid. 195/II, 277–278.
[52] Für Angela, Neues Forum, Nr. 207/208. (Februar–März 1971), 14.
[53] Georg Lukács: Die ontologischen Grundlagen des menschlichen Denkens und Handelns, Hundsblume Wien 1970.
[54] Georg Lukács: Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins. Vortrag an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. I–II. Neues Forum, Nr. 207/208. (Februar–März 1971), 19–22.; und Nr. 211. (Juni–Juli), 30–32.
[55] Angela Davis, Neues Forvm, Nr. 210. (Mai–Juni 1971), 22.
[56] Lukács’ handschriftliche Notizen zum Brief: Wann kommt die Fortsetzung? / 207 xxx ? / Edition Hundsblume Den Brief von Febr 1971 / Wittgenstein – G. N. 1966 Juni / anstatt: Ontologie 161-162 1967 evt
[57] Am Rande in Lukács’ Handschrift: Maj-Juni 210