Iván Szelényi (1938–2026)

 

Foto: Valter Berecz / 24.hu

 

Vor wenigen Tagen verstarb Iván Szelényi, der international renommierte Soziologe und einer der bedeutendsten Kenner der osteuropäischen Gesellschaften. Mit ihm hat die ungarische Sozialwissenschaft einen Denker verloren, der über Jahrzehnte hinweg die moderne Ungleichheitsforschung, die Intellektuellensoziologie und die wissenschaftliche Deutung der postsozialistischen Transformation maßgeblich geprägt hat.

Obwohl ihn seine wissenschaftliche Laufbahn von Budapest bis nach New York führte, blieb er Ungarn bis zuletzt eng verbunden und setzte sich für die kritischen Denktraditionen des Landes ein. Als die Ungarische Akademie der Wissenschaften das Lukács-Archiv auflöste, gehörte Szelényi zu den Initiatoren der LANA (Internationale Stiftung Lukács-Archiv) und unterstützte die Stiftung großzügig. Damit trug er nicht nur zur Bewahrung des Nachlasses von Lukács bei, sondern engagierte sich zugleich nachdrücklich für den Erhalt des progressiven geistigen Erbes Ungarns.

Sein Lebenswerk wirkt in den Sozialwissenschaften und in der Arbeit seiner Schülerinnen und Schüler fort. Auch die intellektuelle Verantwortung, die er während seiner gesamten Laufbahn wahrnahm, bleibt Teil seines Vermächtnisses. Die ungarische und die internationale Wissenschaftsgemeinschaft nehmen mit großem Respekt Abschied von ihm.