An die Freunde des Georg-Lukács-Archivs

Liebe Freundinnen und Freunde,

mit Freude und Erleichterung können wir sagen: Das Schicksal des Lukács-Archivs hat sich endlich zum Guten gewendet.

In den vergangenen Monaten hat die Ungarische Akademie der Wissenschaften bereits die endgültige Räumung des Lukács-Archivs, der ehemaligen Lukács-Wohnung am Belgrád-Ufer, vorbereitet. Der Mietvertrag der Akademie mit dem Eigentümer, der Bezirksverwaltung des V. Bezirks, war ausgelaufen; eine Verlängerung war nicht vorgesehen. In dieser Situation ist die Stadtverwaltung von Budapest eingesprungen und hat das Mietverhältnis übernommen.

Diese Entscheidung bedeutet nicht nur die Rettung des Lukács-Archivs, sondern ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Hauptstadt in Orbáns Ungarn eine Insel der Freiheit geblieben ist. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren kritisches Denken und die Autonomie der Wissenschaft konsequent unterstützt – und bekräftigt dies nun erneut. Daher regten zunächst die Erben von Ágnes Heller, später die Budapester Schule sowie weitere mit Lukács verbundene Philosophinnen und Philosophen und deren Erben an, ihre Nachlässe dem Stadtarchiv der Hauptstadt Budapest (BFL) anzuvertrauen; aus demselben Grund suchte auch die Internationale Stiftung Lukács Archiv (ISLA) bei der Stadt Schutz für das Lukács-Archiv.

Das Stadtarchiv der Hauptstadt Budapest hat die gute Nachricht wie folgt mitgeteilt:

Ziel der Stadtverwaltung der Hauptstadt Budapest ist, dass die Wohnung des international bedeutenden ungarischen Philosophen György Lukács am Belgrád-Ufer wieder zugänglich wird und nach mehreren Jahren ihre Türen erneut für die an Wissenschaft und Kultur interessierte Öffentlichkeit öffnet.

Die Wohnung beherbergte früher – als Teil der Ungarischen Akademie der Wissenschaften – das Lukács-Archiv und die Lukács-Bibliothek. Seit 2018 ist sie jedoch für Besucher geschlossen und seit mehreren Jahren kein Forschungsort mehr. Seit September 2025 hat auf Initiative der Stadtverwaltung das Stadtarchiv der Hauptstadt Budapest das Mietverhältnis übernommen. Neben bedeutenden Gelehrtennachlässen bewahrt das Stadtarchiv auch die Nachlässe mehrerer Mitglieder der ‚Budapester Schule‘, darunter Ágnes Heller, György Márkus und Mihály Vajda. Im Rahmen des ‚Budapester Schule Projekts‘ hat die Institution in den vergangenen Jahren zahlreiche in- und ausländische Veranstaltungen zur Budapester Schule und zu Lukács’ Schülerinnen und Schülern organisiert und zudem die Buchreihe ‚Budapesti Iskola Archívum‘ gestartet. Nach der Renovierung werden in der Wohnung die Nachlassbibliothek von György Lukács für die Forschung zugänglich sein, und das ehemalige Arbeitszimmer des Philosophen wird als Gedenkraum geöffnet. Nach den Plänen soll die Wohnung – als Fortsetzung des ‚Budapester Schule Projekts‘ – sowohl zum Zentrum wissenschaftlicher Werkstattarbeit über Lukács und die Budapester Schule als auch zu einem Gemeinschaftsraum werden: Sie wird Konferenzen, Seminare, Gespräche, Ausstellungen und archivpädagogische Formate beherbergen.

Das Stadtarchiv setzt bei der weiteren Arbeit auf die fachliche Zusammenarbeit mit der ISLA, und wir freuen uns, die Wiederbelebung des Lukács-Archiv als Partner mitzugestalten.

Dieses Ergebnis ist unser gemeinsamer Erfolg. Wir danken all jenen, die in den vergangenen Jahren – in Ungarn und weltweit – gegen die Schließung des Archivs protestiert und die Bewahrung des geistigen Erbes von Lukács unterstützt haben.

Bitte unterstützen Sie weiterhin die Arbeit der ISLA und verfolgen Sie die Wiedereröffnung des Lukács-Archivs mit Interesse.

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Budapest, 5. November 2025.

Das Kuratorium der ISLA